Aquatintadruck (Goya)

von meggs | 1 | 18298 Aufrufe

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Einleitung: Goya

Francisco de Goya wurde am 30. März 1746 in Fuendetodos geboren und starb am 16. April 1828 in Bordeaux.

Er war Grafiker und Maler und beschäftigte sich unter anderem sehr intensiv mit der Aquatintatechnik. Diese wurde im 18. Jahrhundert von Jean Baptiste Leprince erfunden.

Die Aquatinta ist leicht an den gesprenkelten Graustufen zu erkennen, die sie charakterisiert. Ein gutes Anschauungsbeispiel gibt folgende Druckgrafik von Goya ab:

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"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" - Abb. 1

Nach Goyas Vorbild werde ich nun dieses Tiefdruckverfahren zusammen mit einer Linienätzung an einem Praxisbeispiel vorstellen: Der Weihnachtsstern von Betlehem.

Vorarbeit

Von Skizzen zur Vorlage

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Ausschnitt aus der SZ - Abb. 2

Als Motiv wählte ich mir ein Bild aus einer Zeitung, welches ich dann abgezeichnet, etwas verändert und nach meinen Vorstellungen verfremdet habe:

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Erste Skizze - Abb. 3

Die Fertigung von Skizzen ist sehr wichtig für die Vorbereitung. Meist wird erst so die richtige Wahl der Helligkeitsstufe für die Flächen klar.

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Eine weitere Skizze mit farbig gekennzeichneten Graustufen - Abb. 4
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5 Komponenten: Aquatinta, Linien und freie Stellen - Abb. 5

Zu beachten:

  • Linien sind klar und fest zu zeichnen, da keine auslaufenden Linien darstellbar sind (wie z.B. bei weichen Faltenwürfen). Aber Faltenwürfe lassen sich auch so sehr schön darstellen.
  • Flächen (Aquatinta) sollten in maximal 2 bis 3 Graustufen dargestellt werden, da die technische Umsetzung sonst zu aufwändig und kompliziert werden würde. Mehr Helligkeitsabstufungen sind auch gar nicht nötig.

Bearbeitung der Platte

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Großaufnahme Plattenrand mit Asphaltlack - Abb. 6

Die Platte habe ich an den Rändern weich abgeschliffen und abgerundet (Facettenschliff) um unschöne Ränder weitgehend zu vermeiden. Wer will, kann diese aber auch dran lassen. In vielen modernen und expressionistischen Drucken wird der sogenannte "Trauerand" gewollt nicht abgeschliffen.

Die Schutzfolie, die beim Kauf auf Vor- und Rückseite der Metallplatte aufgeklebt war, entfernte ich nur auf der Vorderseite. So wird verhindert, dass die Platte auch von der anderen Seite durch die Säure angegriffen wird und somit Gefahr läuft zu dünn zu werden.

Das Wichtigste für die Ätzungen ist aber der Lack. Damit später in der ersten Ätzung auch wirklich nur die Linien geätzt werden und nicht die Flächen (die später extra geätzt werden), kommt eine säureresistente Schicht aus Ätzlack, Kolophonium, Asphaltlack oder Harz auf die Platte. Ich verwendete normalen Ätzlack, da dieser nicht so hart abtrocknet wie Asphaltlack. So wird verhindert, dass beim Radieren eventuell der Lack splittert.

Nach der Trocknung können dann mit der Nadel die Linien radiert werden:

Radierung

Vorab: Was ist eine Radierung?

Eine Radierung ist im engeren Sinn die Bearbeitung der Druckplatte durch das Daraufzeichnen oder Gravieren der zum Drucken freigegebenen Schraffen (Linien) und Punkten.

Es gibt zwei Arten:
  • Kaltnadelradierung: Mit einer harten Radiernadel wird direkt in die Druckplatte graviert. Da die Vertiefungen bereits so entstehen, muss nicht geätzt werden. Jedoch ist diese Methode viel anstrengender.
  • Ätzradierung: Mit der Radiernadel wird lediglich auf die Platte draufgezeichnet und so nur der Schutzlack abgeschabt. Um Vertiefungen zu bekommen wird geätzt. Oft wird die Ätzradierung auch zum schnellen Skizzieren von Eindrücken oder Momenten verwendet.

Kreativ-Tipp:

Falls man das Radieren etwas üben möchte, bieten alte CDs und DVDs einen hervorragenden Testgrund, auf dem man nach Herzenslust kratzen kann was das Zeug hält.

Idee: Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang das Kratzen des eigenen Spiegelbildes auf der CD. Der eigene Mund stellt hierbei das Loch in der Mitte dar. Natürlich kann auch die CD-Radierung gedruckt werden.

Man kann beispielsweise auch Motive etc. aus Zeitschriften und Magazinen radieren, indem man die CD-Beschichtung abmacht und die durchsichtige Scheibe auf das jeweilige Motiv legt. Besonders gut geht das Entfernen der Beschichtung - falls zur Hand - mit Druckluft, da so keine Kratzer entstehen. Mit einem Teppichmesser geht das Abschaben jedoch auch gut.

Anschauungsbeispiel: Lifestyle-Marken

Hier verwendet: Ätzradierung

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Geschliffener Nagel in einem Holzgriff - Abb. 7

Zum Radieren eignen sich scharfe Nadeln oder geschliffene Nägel. Diese können zur besseren Handhabung beispielsweise in einen Holzgriff etc. geschlagen sein. Selbstverständlich gibt es Radierwerkzeug (Stichel,...) auch im Kunstfachhandel.

Wie schon gesagt wird im Gegensatz zur Kaltnadelradierung bei der Ätzradierung nicht graviert. Das heißt, dass die Nadel nur leicht über die Platte gefahren werden muss, um die bloße Platte unter dem Lack freizulegen. Dort kann dann später die Säure angreifen. Deshalb ist die Ätzradierung um einiges leichter zu handhaben als eine reine Gravur. Dafür geht diese schneller - es muss ja nicht geätzt werden.

Vorlage

Aus den vielen kurzen Bleistiftskizzen habe ich mir daraufhin eine Vektorgrafik als Vorlage erstellt, auf der erst einmal nur die Linien für die Ätzradierung zu sehen sind und keine Flächenabstufungen.

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Die Vektorvorlage für die Radierung - Abb. 8

Die Vorlage sollte - um die Arbeit zu erleichtern - schon ungefähr das gleiche Format wie die Druckplatte haben. So kann man sowohl Proportionen als auch Bildaufbau (Komposition) noch einmal kontrollieren.

Mithilfe dieser Vorlage brachte ich dann meine Radierung (Achtung: Spiegelung beachten) auf die Platte.

Tipp für Anfänger:

Wer sich unsicher ist Freihand zu radieren, kann zu einem simplen Trick greifen:

Einfach die Rückseite der Vorlage mit Kreide beschichten und die Vorlage auf der Platte richtig positionieren. Dann z.B. mit einem Kugelschreiber die Linien nachfahren. Nachdem man die Vorlage wieder heruntergenommen hat, sind die freien Kreidelinien auf der Platte zu sehen und können mit dem Stichel nachgefahren werden.

Linienätzung

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Schema Linienätzung - Abb. 9

Die präparierte Platte mit der Radierung legte ich dann für 3-4 min. in ein Bad mit 15%iger Salzsäure.

Diese Säure ist für die Haut relativ ungefährlich und kann, falls dies schnell geschieht, leicht abgewaschen werden. Trotzdem sind Schutzhandschuhe und Schutzbrille Pflicht! Neben Salzsäure kann auch Salpetersäure oder Eisen-III-Clorid verwendet werden. Mit hochaggressiver Fluorwasserstoffsäure kann sogar Glas geätzt werden.

Ätzen mit Säure nur unter einem geeigneten Abzug, mit Schutzhandschuhen und einer Schutzbrille!

Nachdem man die Platte dem Säurebad entnommen hat, muss sie abgewaschen und abgetrocknet werden.

Zum Entfernen des Schutzlacks verwendet man Terpentin, Spiritus oder am besten Orangenreiniger. Mit einem damit befeuchteten Tuch geht der Radiergrund damit besonders leicht ab.

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Platte mit geätzten Linien - Abb. 10

Jetzt ist die Platte bereit für die eigentliche Aquatintaätzung.

Flächenätzung (Aquatintaätzung)

Das Prinzip der Aquatinta ist gleichsam auch ihr Markenzeichen: durch das leichte Sprühen von Schutzlack setzt man die Grundlage für ein einzigartiges Druckergebnis.

Früher wurde die Aquatinaschutzschicht umfangreich mit Sand und speziellen Apparaturen, die ein gleichmäßiges Verteilen garantieren sollten, aufgetragen. Heutzutage ist man dazu übergegangen normalen Autolack zu verwenden, da dieser einfacher zu handhaben ist und man gerade durch die Unregelmäßigkeit der entstehenden Struktur ein viel interessanteres Druckergebnis erhält.

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Platte nach der 2. Aquatintaätzung - Abb. 11

Vorlage

Wie ich bereits bei den Skizzen zur Linienätzung angemerkt hatte, ist das Planen der Flächen sehr wichtig. Zu helle Flächen können zwar nachträglich noch dunkler gemacht werden, jedoch ist das Aufhellen logischerweise bei bereits zu tief geätzten Flächen unmöglich.

Die Skizzen und die daraus resultierende Vorlage sollten nur schwarz, weiß und maximal drei verschiedene Graustufen besitzen.

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Vorlage für die Aquatintaätzung - Abb. 12

Präparation der Platte

Ist das geschehen ist es wichtig, die Platte an den Stellen, die komplett weiß bleiben sollen, voll abzudecken. Hierbei eignet sich besonders der Asphaltlack, da der eine gute Konsistenz hat, härter trocknet, und die Platte dadurch besser schützt als normaler Ätzlack. Der Nachteil, dass dieser Lack splittert ist hier ja nicht gegeben: Es muss ja nicht mehr radiert werden.

In meinem Fall habe ich drei Graustufen (= drei Ätzdurchgänge) gewählt, da ich wollte, dass der Hintergrund einen eigenen (dunkelsten) Grauton bekommt. Die weiß bleibenden Stellen (bei mir der Stern) habe ich bereits sauber abgedeckt und nun musste ich den Autolack (sinnvolle Farbe: Schwarz - wegen Sichtbarkeit) fein auf der ganzen Platte versprühen. Die Betonung liegt hier auf "fein", da sonst die Säure schlecht angreift. Ein Indiz dafür, dass zu viel Lack auf die Platte gesprüht wurde, ist, dass der Lack zu glänzen anfängt und Flecken bildet. Um dies zu verhindern sollte man zuvor z.B. auf Zeitungspapier ein paar Mal das Sprühen proben und dann mit großem Abstand (~ knapp 1 m) auf die Platte gesprüht werden. Jeder noch so winzige schwarze Tropfen wird später nicht geätzt werden. Wie das perfekte Ergebnis später aussehen soll, kann man sich oben beim Druck Francisco de Goyas betrachten. Einmal aufgesprüht sollte der Autolack bis zum Druck nicht mehr entfernt werden. Geschieht dies, muss für weitere Aquatintaätzungen neuer Lack aufgesprüht werden wodurch die Platte wieder an völlig neuen Stellen geätzt werden würde. Dadurch ließe sich aber nicht mehr die Tiefe erreichen sondern die Platte würde einfach matt und damit unbrauchbar werden.

Ätzdurchgänge

Die Aquatintaätzungen funktionieren vom Ätzprinzip her genauso wie die Linienätzung. Die Schwierigkeit besteht eher darin, die richtigen Flächen frei bzw. bedeckt zu halten und den Autolack richtig zu verteilen.

Wieso Aquatinta?

Der Eine oder Andere wird sich eventuell fragen, was das mit der Aquatinta eigentlich soll: Wieso ätzt man nicht einfach die Flächen wie man es bei der Linienätzung gemacht hat?

Ein Punkt ist ganz klar der tolle Effekt der durch das Sprühen entsteht. Erst dadurch erhält das Druckergebnis später die besondere Stimmung und den besonderen Ausdruck.

Der logische und praktische Grund ist der, dass es einfach nicht möglich wäre eine bloße Fläche zu drucken. Wie jedes andere Tiefdruckverfahren baut die Aquatinta auf das Eindrücken des Druckstoffes in die Platte um die Farbe aufzutragen. Die Druckfarbe haftet hierbei in den Rillen, Ritzen und Löchern. Wäre nur eine bloße Fläche gegeben, würde die Farbe einfach wieder herauslaufen bzw. abgewischt werden, da vor dem Druck die Platte gereinigt werden muss.

Durch die mehrstufige Ätzung entstehen die verschiedenen Graustufen. Auf die Dauer der einzelnen Ätzung kommt es hierbei weniger an, sollte aber kaum länger als die Linienätzung andauern.

Um die Grauabstufung zu erreichen geht man wie folgt vor: Die Platte ist im Moment mit Autolack fein eingesprüht und die weiß zuhaltenden Flächen sind gut abgedeckt:
Nun führt man die erste Ätzung durch. Dabei geht man wie gesagt wie bei der Linienätzung vor. Nach dem Ätzen deckt man die nächsthelleren Flächen mit Asphaltlack o.ä. ab und ätzt wieder. Und so weiter. Insgesamt hab ich das ganze dreimal vollführt.

Ist man fertig und mit seinem Ergebnis zufrieden kann man endlich drucken:

Druck

Weiterführend: Übersicht - Verfahren der Drucktechnik

Beim Drucken Handschuhe zu tragen ist ein absolutes No-Go unter Druckern.

Das Drucken funktioniert im Grunde bei allen Tiefdruckverfahren gleich. Man drückt die Druckfarbe in die geätzten Stellen und wischt mit einem hartfaserigen Tuch die Farbe von den Flächen. Nun wird angefeuchtetes Papier unter dem hohen Druck der Druckpresse in die Ritzen der Platte gepresst. Dadurch nimmt der Druckstoff die Druckfarbe auf. Fertig ist der Druck!

Weiterführend zum Vorgang: Tiefdruck

Ergebnis

Hier ist zur Demonstration einer der Testdrucke:

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Ein weiteres Ergebnis von einem Tiefdruck ist der Druck der CD-Scheibe "Lifestyle-Marken" aus dem "Kreativ-Tipp".

Über den Autor: meggs
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