Gradationskurven verstehen

Exzellenter Artikel
von meggs | 0 | 1 Kommentar | 52379 Aufrufe

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Gradationskurven (Curves) sind ein mächtiges Werkzeug zur Verbesserung von Fotos. Meist wird damit aus Unwissenheit zu grob umgegangen. Das liegt daran, dass die Komplexität dieses vielfältig einsetzbaren Werkzeugs recht hoch und dadurch nicht immer sofort verständlich ist. Was es mit den Gradationskurven auf sich hat erläutert dieser Artikel.

Aufrufen lässt sich der Dialog der Gradationskurven entweder über [Bild] » [Anpassungen] » [Gradationskurven...] (gleichbedeutend mit dem Shortcut [⌘] + [M]) oder seit neuestem auch als Einstellungsebene über das Einstellungsebenen-Symbol unten in der Ebenenpalette. Diese Variante habe auch ich gewählt - der Vorteil ist, dass sich nachträglich immernoch Änderungen vornehmen lassen und das Originalbild unangetastet bleibt.

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Gradationskurven-Einstellungsebene erstellen

Das UI der Gradationskurven in CS3

Ist das geschehen, öffnet sich der Gradationskurven-Dialog.

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Gradationskurven

Im Hintergrund der Kurve scheint das Histrogramm durch.

Außerdem befindet sich eine neue Checkbox namens "Beschneidung anzeigen" unterhalb der Kurve. Wählt man diese aus, sind im Bild nur noch die Bereiche schwarz, die auf Schwarz zugeschnitten (beschnitten) wurden. Je nachdem, welcher Regler ausgewählt ist, sieht man den Schwarz- oder Weiß-Beschnitt.

In den aufklappbaren erweiterten Einstellungen kann desweiteren zwischen Licht (meist für RGB-Modus) oder Pigment/Druckfarbe (für den CMYK-Modus und Druck) gewählt werden. Bei Licht wird das Bild durch das Hinzufügen das Bild heller, bei Pigment/Druckfarbe dreht sich die Eingabe-Skala um und man erhält durch Hinzufügen ein dunkleres Bild. In der Fotografie wird aber hauptsächlich der Licht-Modus verwendet.

Dazu kommen noch einige Optionen um die Darstellung an seine Bedürfnisse anzupassen.Hier lässt sich das Histrogramm, die Standardlinie und das Fadenkreiz beim Ziehen ein- und ausschalten.

Die Gradationskurve

Um die Essenz der Gradationskurven besser näherbringen zu können, wähle ich hier ein Schwarz-Weiß-Bild mit einer Grauskala von Schwarz zu Weiß. Deshalb werde ich allein den RGB-Kanal verwenden. In einem Farbbild werden dann noch die Gradationskurven der einzelnen Kanäle interessant (deshalb auch der Plural).

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Einfaches S/W-Bild mit Grauskala

Grundlegend: Beschneidung

Verändert man nun einen der beiden oder beide Regler der Eingabe-Skala wird der Beschnitt größer, das heißt, dass der Bereich des absoluten Schwarz/Weiß erhöht wird. Durch diese Verschiebungen verändert sich auch die Kurve - sie wird steiler. Dadurch erhöht sich auch der Kontrast, da für die Graustufen der Spielraum kleiner wird. Gleichzeitig werden immer größere Bereiche des Bildes an Schwarz oder Weiß angeglichen.

Gedrückthalten von [⌥] bzw. [alt] bewirkt, dass der "Abbrechen"-Button zu einem "Zrücksetzen"-Button wird.

Betrachtet man nun die Grauskala, wird der beschriebene Vorgang deutlich.

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Größerer Beschnitt in Schwarz und Weiß

Gut zu sehen ist, dass sich der vorherige dunkelste Grauton in reines Schwarz verwandelt hat und der hellste Grauton in reines Weiß. im Bild wurden die dunkleren Bereiche noch dunkler und die helleren noch heller.

In der Kurve bedeutet das, dass der Eingabeton (der Grauton, der sich senkrecht unterhalb auf der Eingabeskala des Kurvenknotens befindet) nun in der Ausgabe als Weiß bzw. Schwarz (also dem Ton, der horizontal vom Kurvenknoten aus auf der Ausgabe-Skala liegt) definiert ist.

Die Beschneidung ist besonders nützlich, wenn man ein Bild bearbeitet, dass als tiefsten Punkt nicht reines Schwarz, sondern nur ein tiefes Grau hat.

In einigen speziellen Fällen ist auch das Angleichen an die Mitteltöne notwendig. Das heißt, dass die Knoten nicht in x- sondern in y-Richtung (also parallel zur Ausgabe-Skala) nach oben/unten verschoben werden. Bei völlig gerader senkrechter Kurve durch die Mitte würde ein einheitliches 50%-Grau entstehen (Wenn absolutes Schwarz bzw. Weiß im Bild vorhanden war).

Da aber das Bild schon im Vorneherein sehr gut war, werde ich die Änderungen wieder rückgängig machen. Sie dienen nur der Verdeutlichung und Erklärung.

Echte Kurven

Ja, was passiert eigentlich wenn die Kurve wirklich zur Kurve wird.

Bringt man in die Kurve eine leichte konvexe Biegung wird das Bild offensichtlich dunkler - bei einer konkaven Biegung heller. Bei der konvexen Biegung wird jeder Eingabewert einem etwas dunkleren Ausgabewert zugewiesen. Zum absoluten Schwarz bzw. Weiß hin wird diese Vertiefung der Grautöne immer schwächer.

Um Knoten zu löschen, einfach den Knoten anfassen und aus dem Feld ziehen.

Nichts wurde beschnitten, da die Endknotenpunkte nicht verschoben wurden. Dieser Vorgang bringt also eine grundlegende Verdunklung bzw. Aufhellung des Bildes mit sich ohne die Töne zu beschneiden.

S-Kurve

Noch interessanter ist die sogenannte S-Kurve. Es werden zwei Knoten erstellt.

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S-Kurve im Gradationskurven-Dialog

Macht der erste Knoten eine konkave und der zweite eine konvexe Biegung, bedeutet dies anschaulich, dass der Kontrast in den Mitteltönen abnimmt, sich aber zu Schwarz bzw. zu Weiß hin erhöht. Anders herum (zuerst konvex, dann konkav) erhöht sich der Kontrast in den Mitteltönen und nimmt zu den Endpunkten hin ab.

Wie sooft in Photoshop gilt auch bei den Gradationskurven immer: Weniger ist mehr.

Dieser Effekt ist oft gewollt um eine grundlegende Kontrastverstärkung zu erreichen. Mit etwas mehr Kontrast in den Mitteltönen (also einer steileren Kurve in deren Bereich) erhalte ich folgendes Ergebnis.

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Mit erhöhtem Kontrast

Die beiden Grautöne die sich am weitesten in der Mitte der Grauskala des Bildes befinden, haben sich praktisch nicht verändert. Wohingegen die dunkler/heller werdenden Grautöne noch dunker/heller geworden sind. Dadurch ist der Kontrast höher.

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vorher / nachher

Dennoch ist eine einfache S-Kurve nicht immer die optimale Lösung um einen guten Kontrast zu erreichen, da so oftmals Details sehr stark abgeschwächt werden (ähnlich dem Helligkeit/Kontrast-Dialog, der nichts anderes tut). Je nach Art des Bildes ist eine andere Einstellung der S-Kurve von Nöten um einen schönen Kontrast zu erreichen. Die Gradationskurven bieten einem da praktisch alle Möglichkeiten.

Histogramm verwenden

Wird das Histogramm nicht benötigt, kann es getrost in den erweiterten Einstellungen deaktiviert werden. Da während der Anzeige das Histrogramm immer wieder upgedated werden müsste, wenn Änderungen in den Gradationskurven anfallen, kann dadurch die Performance erhöht werden.

Das eingeblendete Histogramm lässt sich auch verwenden. Im Beispiel zeigt es, dass das Bild sehr viele sehr tiefe Grautöne besitzt aber auch recht viele 70%- oder 30%-Grautöne.

Man kann gezielt bestimmte Bereiche aufhellen oder abdunkeln.

Zum Beispiel könnte ich gezielt die 70%-Grautöne im Bild aufhellen.

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Gezieltes Aufhellen von 70%-Grau

Um das Histrogramm besser verstehen zu lernen, empfiehlt sich der Artikel Tonwertkorrektur verstehen.

Fazit

Gradationskurven sind ein sehr mächtiges Tool, das - wenn man es gekonnt einsetzt - andere Einstellungsdialoge wie Helligkeit/Kontrast unbrauchbar macht. Um sich aber mit den Gradationskurven vertraut zu machen, bedarf es etwas Einarbeitung und Wissen über das Verhalten von Farb- und Grautönen.

Weiterführend

Um die Gradationskurven angewendet auf ein Farbfoto kennen zu lernen empfiehlt sich folgender Artikel:

Foto verbessern mit Gradationskurven

Anleitung zur Verbesserung eines Fotos mithilfe professionellen Mitteln. Mit dem mächtigen Tool Gradationskurven ist man da an der richtigen Adresse. [lesen | 8]

Um den Unterschied zwischen den Gradationskurven und der Tonwertkorrektur kennen zu lernen empfiehlt sich folgender Artikel:

Tonwertkorrektur vs. Gradationskurven

Manch einem der schon eine Weile mit Photoshop arbeitet mag aufgefallen sein, dass Tonwertkorrektur und Gradationskurven sehr ähnliche Bearbeitungsmöglichkeiten bieten. In diesem Artikel will ich diese eingehender vergleichen... [lesen | 2]

Über den Autor: meggs
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Kommentare: Gradationskurven verstehen

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Klasse Artikel
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Vielen Dank dafür. Ein super Grundlagenartikel. Ich denke die wenigsten wissen wirklich was den Gradiationskurven zu Grunde liegt. Toll auch der praktische Artikel dann gleich dazu!

Fabian Ziegler am 12.08.2008 um 09:26