Radical Advertising

von Benutzer gelöscht | 0 | 2 Kommentare | 55336 Aufrufe

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Prolog

Werbung prägt unseren heutigen Markt. Ihre Qualität entscheidet über den Erfolg eines Projektes. In diesem Artikel kombiniere ich provokante Werbung mit einer Subkultur unserer Gesellschaft, gemeint die "Emos". Ich selbst gehöre zu der Emo-Subkultur an und gründete vor 5 Monaten die Seite http://www.emoware.net auf der ich selber Mode für Emos designe und verkaufe. Emoware - Cut the pain away - so der Name meiner Kampagne. Um diese Seite zu vermarkten, kreierte ich eine makabere Werbung welche in direkten Bezug zu dieser Emo-Kultur steht.

Emo

(Emotional Hardcore) bezeichnet ursprünglich ein Subgenre des Emocores, das sich durch das stärkere Betonen von Gefühlen auszeichnet.

Ungefähr seit dem Jahre 2000 wird mit Emo auch ein jugendkulturelles Modephänomen bezeichnet, das mit dem gleichnamigen Musikstil nur mittelbar in Verbindung steht.

Mit diesem Hintergrundwissen arbeitete ich eine Kampagne aus, welche radikal, kritisch und provokant als Aufschrei in jener Szene fungieren sollte. Emos, welche zur Depression neigen, sagt man unweigerlich selbstverletzendes Verhalten nach, kurz; das Ritzen. Was eigentlich eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung ist, stellt in meinem Flyer das provokante Fundament dar, welches aufklären und zum hingucken bewegen soll.

Dafür überlegte ich mir, wie ich Provokation und Werbung auf einer humanen Ebene kombinieren konnte. Das Produkt meiner Überlegungen ist folgende Arbeit, ein Flyer, der sich an der Grenze zur Geschmackslosigkeit bewegt. Dieser Artikel soll dem Leser die Konzeption und Realisation jener Arbeit nahebringen.

Der bekannte Künstler Daniele Buetti ging bereits diesen einschlagenden Weg in der Werbung in dem er sich Markennamen tätowierte bzw. ins Fleisch brannte und ritzte. Hier ein eindrucksvolles Beispiel:

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Hier der Flyer:

Verblüffend die Ähnlichkeit unserer Komposition - da ich die Arbeiten des Künstlers erst nach der momentanen Ausstellung im NRW-Forum kennen gelernt habe. Der unterschied liegt nur bei der Art der Verletzung.

Ich entschied mich für die frisch geritzte Variante. Gerade Linien, hier auf dem Beispielfoto verheilt:

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In meiner Arbeit gerade frisch geritzt und bereits leicht verkrustet!

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Altersstruktur und Zielgruppe

Mehrheitlich liegt der Beginn der Erkrankung zwischen dem 12. und dem 15. Lebensjahr, das am häufigsten genannte Alter ist 13. In der Zeit der Pubertät ist also meistens der Auslöser zu suchen, das Verhalten tritt meist während der ohnehin emotional in der Regel sehr angespannten Phase der Pubertät (verlorene Liebe, Aggression gegen Eltern, etc.) auf. Im Grunde die Altersgruppe, welche meine Käuferschicht bzw. Zielgruppe darstellt. Die Ursachen bzw. Gründe werden meistens dagegen davor in der Kindheit gesucht. Demnach würden Konflikte, die dort nicht ausgetragen werden konnten, nun hervorbrechen und würden nun zum Auftreten des Selbstverletzenden Verhaltens führen.

Ein anderer Aspekt ist die Frage, ab welchem Alter aktiv nach autodidaktischer, ärztlicher und/oder psychologischer Hilfe gesucht wird. Aus fortlaufender Erhebung auf der Internetseite „Rote Tränen“ ergibt sich etwa folgende Struktur direkt oder indirekt Betroffener, die die Bewältigung versuchen oder sich mit Alternativen beschäftigen:

  • ab ca. 11 bis 16 Jahre: 34 % Zielgruppe!
  • 16 bis 18 Jahre: 29 Zielgruppe!!
  • 18 bis 20 Jahre: 17 % Zielgruppe!
  • 20 bis 24 Jahre: 13 %
  • über 24 Jahre: 7 %

Step by Step

Den Flyer hinterlegte ich mit dem Hintergrund meiner Seite www.emoware.net um einen direkte Identifikation zu realisieren.

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Dann fotografierte ich meinen Arm, welcher die Basis meines Flyers darstellt. Schnitt dieses aus, platzierte ihn mittig in meinem Flyer und unterlegte diesen für die weiteren Arbeiten mit roter Farbe, welche als Blut fungiert.

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Nicht zu vergessen war der Schatten. Da ich meinen Arm mit Blitz fotografierte, hatte ich ein realistisches Licht- und Schattenspiel im Foto selbst. Dieses galt es nur noch für den Flyer ein wenig zu bearbeiten.

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Dann ritzte ich den Namen meiner Seite via selbst erstellter "Brushes" in den Arm und überarbeitete diese Schrift mehrere Male um ein realistisches Ergebnis zu erzeugen. Ich legte gerade Linien mit dem Zeichenstift-Werkzeug an und experimentierte mit verschiedenen Ebeneneigenschaften in diesem Stil:

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Danach unterlegte ich die Schrift mit leicht geröteter Haut. Das Ergebnis war folgendes:

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Dann kreierte ich die Rückseite des Flyers. Ich versetzte den Arm und platzierte Text. Der Text ist persönlich und einladend formuliert und durch die Anmerkung "We Love SpongeBob" (Der Ikone in der Emo-Szene) selbstironisch und absolut an die Zielgruppe angepasst.

Dieser Flyer wird gezielt unter den "Emos" verteilt und wird dort nicht nur auf Protest treffen - denn ist es bekannt, dass das Ritzen an sich zu einem Status- und "Dazugehörigkeits"-Symbol geworden ist und sogar als "Cool" betitelt wird.

Emoware - Cut The Pain Away!

Felix Berner

Über den Autor: Benutzer gelöscht
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Kommentare: Radical Advertising

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Danke für die Informationen zur Emo-Kultur und den ausführlichen Beitrag
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Mit den Ausführungen zur Kultur und zur Zielgruppe nehme ich diesen Trend jetzt viel bewusster wahr. Jetzt hat der Stil für mich ein Gesicht. Visuell und psychologisch ist dieser Beitrag sehr gut und ich habe ihn auch schon an Freunde weitergeleitet.

Diana Kurz am 22.07.2008 um 11:35
naja.....
Beantworten

Nettes Tutorial aber bitte verschone uns mit deinen Pubertären-emo-Problemchen....

Emos, die ich "kenne" reden, sich aus falschem Selbstmitleid Probleme ein, die sie in ihrem durchaus schönen Leben nicht haben. Ich mag keine Menschen die mit ihrer demonstrativen schlechten Laune meine Eigene verderben wollen. Das Problem ist vielleicht auch das Emos ihren Klamottenstyle von allen möglich (Sub-)Kulturen zusammen "klauen" und das ganze mit einer ziemlich lächerlichen "Ihr seit alle so schlecht zu mir" Meinung paaren. Das ist ungefähr so als ob sich jemand den Hut kauft den du seit Jahren trägst und dann laut "Hallo ich bin ein Vollspast mit häßlichem Hut" schreiend durch deine Heimatstadt rennt. Kein Wunder das so gut wie jeder Nicht-Emo pissed ist wenn er nen Emo sieht. Desweiteren haben sie diese (zu mindest meiner Erfahrung nach) "Das sagst du nur weil du gerne so wärst wie wir, dich aber nicht traust" Standartantwort auf
dumme Sprüche. Emos mit Selbstbewusstsein sind echt das schlimmste...

Eigentlich seid ihr schon lange teil des eigentlichen Mainstrems und merkt es nicht mal!:)

omg am 30.05.2008 um 02:05