Unleash you Mind - Making of

von Tobias Deml | 0 | 16366 Aufrufe

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Fertiges Bild

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MAKING OF "UNLEASH YOUR MIND"

31. Oktober 2006 – vor gut einem Jahr: Halloween, der Zeitpunkt, der dieses Bild bewirkte. Ich habe eine Vorliebe, mich zu verkleiden und eine Vorliebe für Wasserfarben. Da ich vorhatte, in die Stadt auf eine Party zu fahren, wollte ich mir ein Kostüm überlegen – wie ich dann schlussendlcih auf Voodoo-Priester kam, weiß ich nicht. Mein kleiner Bruder half mir beim Auftragen der Wasserfarben, für die Augenhöhlen und den Mund benutzte ich Deckweiß.

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Abb.1: Portrait meiner Selbst

Nach etwa einer Stunde malen (es stellte sich heraus, dass mit den Fingern zu malen um einiges effizienter als mit dem Pinsel war), vollendete ich die Verkleidung (es kam noch ein Kartoffelsack dazu, ein Zauberstab, eine Tropenhose und ein roter Umhang) mit etwas Gel. Mein Bruder fotografierte mich mit meiner Canon EOS 300D, schließlich wollte ich diese Verkleidung auch festhalten. Als er das Bild kontrollierte, ,meinte er „Hey, von der Seite schaut das ja total cool aus“ – das war die Geburtsstunde dieses Bildes.

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Abb.2: Invertiertes Foto

Nun, von der Seite gesehene Displays invertieren die Farben. Und genau das tat ich einen Tag später mit dem Foto. (Abb. 1 und 2) Ich benutze Photoshop in der Version 6.

Ihr merkt sicherlich, dass die Invertierte Version bereits überarbeitet ist; der Hintergrund war nicht ganz schwarz, der Schatten hinter meinem Kopf, der vom Kamerablitz kam, sollte weg. Also erstellte ich eine schwarze Füllebene, die Hintergrund dienen sollte und maskierte das Foto. Die Maske basiert auf einer Kopie des invertierten Bildes, bei dem ich per Gradationskurven die Schatten eliminierte und den Hintergrund pechschwarz machte. (Abb. 3)

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Abb.3: Maske

Wie zu sehen ist, schneidet das Originalfoto meine beiden Arme seitlich ab – ich wollte meine Arme aber „weich“ haben, ohne diese senkrechten Kanten. Zusätzlich endete mein Körper einfach an der unteren Bildkante, deshalb entschied ich mich dazu, ihn sanft in die Schwärze übergehen zu lassen – genauso die Arme, der Übergang sollte an der stelle, wo sie die Kanten berührten, bereits schwarz sein. Dazu erstellte ich eine neue Ebene, die ich über dem Körper legte und malte mit einem schwarzen Pinsel vorsichtig die Bereiche aus, die schwarz werden sollten. Den Füllmodus stellte ich auf multiplizieren, jedoch war das Ergebnis zu weich. Ich duplizierte die Ebene und gab ihr den Füllmodus „Ineinanderkopieren“ – so sind die Pinselstriche, die die Wasserfarbenstruktur ausmachen, Teil der Maskierung. (Abb. 4)

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Abb.4: Wasserfarbenstruktur hervorheben

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Die Strahlen, die aus meinem Kopf strömen sollen. Vorweg, ich bewundere die Bilder von „Eimer“, den die einen oder anderen von euch kennen werden – ich habe mich von seinen Arbeiten inspirieren lassen und mir überlegt, wie ich jene feinen, leuchtenden Linien hinbekommen könnte. Danke an dieser Stelle für die Inspiration.

Zuerst schuf ich eine Grundlage, nämlich dünne Strahlen. Sie sind flammenmäßig aufgebaut, d.h. die einzelnen Linien decken den Großteil des Kopfes ab und laufen nach oben hin spitz zusammen.

Probiere es aus: Erstelle eine neue Ebene und wähle einen Pinsel mit 1px Dicke, 0% Kantenschärfe und einer weißer Färbung. Zeichne ein paar Linien. Klicke doppelt auf die Ebene und aktiviere den Haken bei „Schein nach außen“. Stelle deine gewünschte Farbe ein, z.B. blau. Um schöne Enden der Linien zu bekommen, erstelle eine leere Ebene unter der Strichebene und vereinige die Strichebene mit dieser (kleiner Pfeil im Ebenenfenster>Mit darunterligender Ebene vereinigen). Zuletzt radiere die scharfen Enden der Linien mit einem weichen Radierpinsel weg. Durch das Vereinigen hast du Zugriff auf den Fülleffekt-Schein und die Striche gleichzeitig – das Ergebnis wirkt wesentlich besser als wenn du nur die Linien wegradieren würdest. (Abb. 5)

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Abb.5: Strahlenbeispiel

Das ist die „einfache“ Methode, sie reicht zum Ausprobieren völlig. Ich hingegen kopierte meine Strich-Ebenen immer, zeichnete sie weich, gab ihnen eine Farbe und stellte ihren Füllmodus auf „Negativ multiplizieren“ – so hatte ich eine größere Flexibilität, was Variationen in der Deckkraft anging. Nach ewig vielen Strichen hatte ich mein erstes Strahlenbündel fertig. (Abb. 6)

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Abb. 6: Strahlenbündel

Nun, alles Weitere in Bezug auf die Strahlen ergab sich durch Try and Error – meine bevorzugte Methode. Ich probierte viel herum und kam zum Schluss, dass einige dicke Strahlen, die per Größenabnahme (eine einstellbare Pinseloption) nach oben hin kleiner wurden, die Gesamtwirkung verbesserten und einen Anhaltspunkt gaben. Jede Linie ist, wiegesagt, handgezeichnet.(Abb. 7)

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Abb.7: Fertige Strahlen

Durch die verschiedenen Dicken und Deckkräfte der Strahlen bzw. der dazugehörigen Schein-Ebenen entstand eine schöne Struktur. Ich wollte allerdings noch etwas mehr Energie, Schein… etwas mysthisches. Dazu erstellte ich viele, feine Linien, die sich seitlich vom Kopf wegschlangen und relativ kurz waren. Ich blendete die Ebene aus und nur die zugehörige Glow-Ebene ein. Dann gab ich eine Ebene in der Mitte des Kopfes dazu, die nur ein großer, weißer Pinselpunkt war und stellte ihren Füllmodus auf „Ineinanderkopieren“ – sie war der große Sprung, bei dem die Strahlen mit dem Kopf eins wurden bzw. verflossen. Dann kamen noch einige Partikel hinzu, einfache Pinsel mit hohem Abstand, die ich über die Strahlen zog und so einzelne, leuchtende Punkte hinterließ. Im Endeffekt hatte ich dann um die 20 Ebenen für den Strahlenkörper (Abb. 8)

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Abb. 8: Fertiger Strahlenkörper

Zu diesem Zeitpunkt stellte ich das Bild als WIP online – irgendetwas fehlte aber. Das Extremformat hatte zwar eine sehr freie Wirkung (die Interpretation bzw. die Aussage des Bildes kam mir während der Erstellung, war also nicht direkt darauf abgezielt). Bei der Suche nach Symbolen für Freiheit kam mir der Gedanke an Flügel. Zuerst versuchte ich, auf Stockphoto-Seiten nach Volgelflügeln zu suchen, was sich aber als nicht besonders effizient herausstellte – schlussendlich stieß ich auf ein Stockphoto ( www.aboutpixel.de ) einer Metallstatue mit… Flügeln. (Abb. 9)

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Abb.9: Stockfoto

Ich stellte die Flügel frei und merkte, dass mein Extremformat die Flügel beschnitt. Einerseits wollte ich unbedingt diese Flügel haben, andererseits war das Format das einzige, das für mich in Frage kam. Dieser Punkt ist wichtig, da ich mich für eine Kompromisslösung entschied, mit der ich beide Bildelemente behalten konnte – ähnlich wie bei meinem Oberkörper wollte ich auch die Flügel ins Schwarze „faden“ lassen. Ich bearbeitete einen Flügel, um ihn dann später zu duplizieren und zu spiegeln. Ein schwieriger Part war die Einfärbung ins Blaue bzw. die Kontrastanpassung; ich musste etliches mit dem Nachbelichter- bzw. Abwedeler-Werkzeug nachbearbeiten, dunkle Bereiche leicht aufhellen und erkennbarer machen etc. Ich gab dem Flügel ein Leuchten und positionierte die Ebenengruppe unter der Körper-Ebene. Das Problem war nun, dass der Übergang von Körper zu Flügel seltsam aussah bzw. die Tiefenwirkung nicht gut gegeben war. Ich spiegelte den Flügel (bzw. die Ebenengruppe des Flügels) und machte mich an den Körper. Zuerst hellte ich das Kinn auf und verdunkelte den Hals, um mehr Tiefenwirkung (die durchs Blitzlicht am Beginn des Prozesses teilweise flöten gegangen war ;) ) zu erzeugen.

Dann ein paar Korrekturen beim Übergang Körper-Hintegrund, z.B. hellte ich die äußersten Bereiche der Arme auf, um ein Licht von hinten vorzutäuschen. Ich erstellte eine Ebene, die die Farbe des Körpers beeinflusste – vor allem den türkisen Wasserton intensivierte. (Ebenenfüllmodus „Ineinanderkopieren“) Als nächstes kam eine Ebene, die den Körper an den Randstellen leuchten ließ (dort, wo tatsächlich auch Licht auf die Schultern fiel) – der Ablauf ist hier zu erkennen. (Abb. 10)

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Abb.10: Flügelränder

Ich denke, der Tiefeneffekt, der durch den Glow an den Schultern geschaffen wird, ist recht gut zu erkennen. Nun, was mir jetzt fehlte, war ein gelungener Abschluss der Flügel. Ich suchte im Netz nach einem Bild, auf dem Rauch zu sehen war, um die Flügel dampfen/rauchen zu lassen – dieser Rauch sollte sehr dezent sein, aber dem Hintergrund eine gewisse Struktur geben bzw. das Leuchten der Flügel etwas turbulenter gestalten. Auf www.pixelquelle.de wurde ich dann fündig. (Abb. 11)

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Abb. 11: Rauch-Stockfoto

Ich legte das Bild hinter die Flügel, positionierte es, spielte etwas mit dem Kopierstempel um die interessanten Stellen des Rauchs an die interessanten Stellen der Flügel zu bringen. Es war nun etwas schwierig, den Rauch per Verlaufsumsetzung in seiner Struktur interessant zu belassen und trotzdem sehr dunkel zu machen, da er nicht aufdringlich sein sollte. Problematisch war dabei v.A. die starke Gleichmäßigkeit der Rauchfarbe.

Ich gab ihm den Füllmodus „Negativ multiplizieren“. Den Schein der Flügel bearbeitete ich dann per Hand weiter, machte ihn ungleichmäßig, indem ich ihn aufhellte und abdunkelte – mit Abwedler und Nachbelichter. Ich benutzte dann eine weitere Rauchebene, um den Glow der Schultern etwas ungleichmäßiger zu gestalten.

Die letzte Hürde war dann der Schriftzug; ich wollte etwas, das den Farbtönen des Bildes entsprach und komplex, aber nicht vollgestopft mit Effekten war. Hier eine Bildserie, wie der Titel entstand – wichtig ist der letzte Schritt, bei dem eine ultramarinblaue Ebene mit dem Füllmodus „weiches Licht“ eine finale Farbtönung vornimmt: (Abb. 12)

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Abb.12: Schrift

Das Bild ist fertig – auf Hintergrundebene reduzieren, verkleinern, schärfen und für Web speichern.

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Ich habe das Bild in einer Originalauflösung von 2774x6159 px bearbeitet. (Abb. 13)

Unleash your mind!

Über den Autor: Tobias Deml
Ich beschäftige mich seit November 2003 mit Cinema 4D, ein halbes Jahr später kam Photoshop dazu. Derzeit bringe ich mir selbst Character Animation und die umgebenden Gebiete bei, sprich: Von Storyboardzeichnen über das Schreiben von Drehbüchern bis hin zu Filmgestaltung und Kameraführung.
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