Barack Obama: Wie Fotografen einen Politstar inszenieren

von Fabian Ziegler | 0 | 6 Kommentare | 2185 Aufrufe

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Bild zu Barack Obama: Wie Fotografen einen Politstar inszenieren

Bereits vor Amtsantritt gilt Barack Obama als eine Ikone. Dafür sorgten nicht zuletzt die Heere von Presse- und Promi-Fotografen, die den zukünftigen Präsidenten seit Kampagnenbeginn porträtiert haben. Wie Fotografen den Spitzenpolitiker inszenieren, damit befasste sich Fotopsychologe Professor Martin Schuster, der im Auftrag der Bildagentur Shutterstock (www.shutterstock.de) Fotos von Barack Obama analysierte. Eine Auswahl der Fotos ist auf der rechten Bildseite zu sehen. Martin Schusters Beobachtungen im Überblick:

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"Die Fotografen arbeiten mit dem Lichteinfall. Ein starkes seitliches Licht im Moment der Aufnahme teilt das Gesicht von Obama in helle und dunkle Bereiche: Fast weiße und fast schwarze Hautpartien beruhigen Sorgen und bestätigen Identitäten der potenziellen Wähler.

Obama ist der absolut korrekte Ehrenmann mit Hemd und Krawatte oder Jackett und Krawatte. Der Ehering ist auf den Bildern sehr oft sichtbar. Obama verhält sich demütig gegenüber den Vertretern der Religion und den Symbolen des Staates. Er kann aber auf einigen Bildern auch „hemdsärmelig“ auftreten (Redensart: „die Ärmel hochkrempeln“).

Barack Obama blickt (fixierend) in die Ferne, er ist ein Visionär, der den Weg in die Zukunft weisen kann (Armbewegungen), er ist aber auch der energische Mensch der Tat. Er kann zupacken, hält seine Angelegenheiten in der Hand. Er hat fast immer etwas in den Händen (oft ein Mikrofon). Untersicht und Blick nach oben betonen die Größe des Kinns (wie seit jeher bei den Bildern mächtiger Menschen).

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Obama kann die Massen führen. Man sieht - speziell junge - Menschen, die hinter ihm stehen (Redensart: „hinter jemandem stehen“). Er ist aber gleichzeitig dem einzelnen Menschen nah. Er hört ihm zu und blickt ihn dabei schweigend an. Er hat auch keine Berührungsängste. Obama berührt Menschen mit der Hand, ja er fühlt sich offensichtlich wohl inmitten des Gedränges.

Menschen reagieren auf Sozialpartner mit dem reziproken Affekt. Wenn uns eine Person anlächelt, lächeln wir zurück. Angela Merkel wurde allein deshalb von vielen Menschen abgelehnt, weil sie habituell stark fallende Mundfalten hat. Das Wichtigste der Kampagne ist es also, den Kandidaten in einer positiven Stimmung darzustellen. Hier hat man sich am Vorbild Clintons orientiert. Der entspannt-ernste, leicht offene Mund suggeriert (bei Menschen und auch z.B. bei Hunden) eine freundliche „Spielstimmung“. Genau so sieht man Barak Obama sehr häufig; manchmal lächelt er auch. Dabei ist er absolut entspannt und unaufgeregt. Selbst das Mikrofon hält er mit locker entspannter Hand. Der mitunter leicht geneigte Kopf zeigt seine intim-freundliche Haltung gegenüber den Zuhörern.

Wenn der Kandidat besonders schöne Seiten hat, wird der Fotograf sie nicht verstecken. Die schöne, feingliedrige Hand Obamas, die auf Kultiviertheit und geistige Differenzierung schließen lässt, wird zur Hauptdarstellerin auf den Fotos."

Über Prof. Dr. Martin Schuster

Prof. Dr. Martin Schuster ist Professor an der Universität Köln und Autor zahlreicher Veröffentlichungen in den Forschungsgebieten Kunstpsychologie, Fotopsychologie und Kunsttherapie, darunter auch Fotos sehen, verstehen und gestalten (Springer Verlag, Berlin 2005). Für die obige Bildanalyse verwendete er Fotos der U.S.-Bildagentur Shutterstock (www.shutterstock.de).

Über den Autor: Fabian Ziegler
Meine Schwerpunkte liegen im Bereich Grafikdesign, SEO und Management. Seit sieben Jahren bin ich als Geschäftsführer der Team23 GbR tätig, die Webdesign in Augsburg anbietet, sowie Webmasterpro.de betreut.
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Kommentare: Barack Obama: Wie Fotografen einen Politstar inszenieren

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Guter Ansatz, falsche Umsetzung
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Interessantes Thema, aber ich finde man hätte die Basis für eine solche Analyse genauer differenzieren müssen. Sprich, man hätte sich nur die gezielt fotografierten/gestellten Bilder vornehmen sollen; ansonsten ist die Fehlerrate durch "Zufallsbilder" zu groß.

Martin G. am 29.01.2009 um 15:49
also, ...
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ich finde solche psychologischen analysen anhand von kunst/fotografie ja immer ein bißchen schwammig. ich meine, man kann in alles etwas reininterpretieren. sätze wie "Fast weiße und fast schwarze Hautpartien beruhigen Sorgen und bestätigen Identitäten der potenziellen Wähler." sind hingegen total sinnfrei aus dem raum hergezogen - gerade diese kontraststärke hat nix mit beruhigen zu tun und selbst bei 9000lx licht ist obama immernoch farbig :) wie dem auch sei, ich könnte hier nun ewig weiterschreiben. fakt ist, dass mich solche analysen/interpretationen immer recht kalt lassen.

Marvin Blase am 28.01.2009 um 10:04
Re: also, ...
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so geht mir das im deutschunterricht in der schule auch immer :-P

sten am 28.01.2009 um 20:38
Re: also, ...
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Tja, mich würde mal interessieren, was die ganzen Dichter und "Künstler" sich bei ihren Werken gedacht haben, oder ob sie überhaupt irgendeine Intention hatten. Bei manchen Sachen ist es klar erkennbar, bei anderen klingen Interpretationen echt weit hergeholt...

Aber sowas wird man wohl nie erfahren.

Benutzer gelöscht am 29.01.2009 um 10:30
Re: also, ...
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ich hab mal gelernt: "wenn du anfängst, dein eigenes bild verschiedenartig zu interpretieren, schmeiß es weg und mach ein neues."

ich denke, die meisten künstler haben eine intention - die liegt im auge des betrachters und lässt teils viele verschiedene interpretationsmöglichkeiten offen. im endeffekt lässt sich alles irgendwie irgendwomit auslegen.

Marvin Blase am 29.01.2009 um 12:06
Re: also, ...
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die meisten autoren sind übrigens gegen die interpretation ihrer werke im schulunterricht weil dies meist - vor allem durch die lehrer - haarsträubende und nie gewollte deutungen hervorbringt. aber was machen deutschlehrer daraus? richtig, die lassen eine erörterung zum thema "wieso man interpretatione im schulunterricht (nicht) machen sollte". danke schulsystem.

meggs am 31.01.2009 um 19:38