Architekturfoto in 3D-Szene umwandeln

von Stefan Leuchtenberg | 1 | 7991 Aufrufe

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Fotos von Architektur stellen ein Gebäude in perspektivischer Verkürzung dar. Linien die in den Raum ragen treffen sich auf Fluchtpunkten. Teile von Gebäuden im Vordergrund sind größer als Teile, die weiter weg von der Kamera sind. Mit Hilfe von Photoshop kann man Flächen (z.B. Hauswände, Bodenflächen) markieren und sich anhand der Verzerrungen rückwirkend eine dreidimensionale Szene erzeugen lassen, die dann in einem 3D-Programm weiter bearbeitet werden kann. Ich verwende im vorliegenden Tutorial die englische Version von Photoshop und werde mich daher auf die englische Bezeichnung der verwendeten Filter und Einstellungen beziehen.

Auswahl des Fotos

Zunächst benötigt man ein geeignetes Foto, um es in eine 3D-Szene umwandeln zu können.
Besonders eignen sich natürlich Fotos mit großen Wandflächen und klar erkennbaren Fluchtlinien.
In diesem Fall benutze ich ein Foto, das mit einer einfachen Digitalkamera aufgenommen wurde.

Ausgangsbild unbearbeitet

Objektivkorrektur

Um Fehler zu korrigieren, die bei der Aufnahme durch die Verzerrung der Linse entstanden sind wird das Foto zunächst mit dem Filter Objektivkorrektur zurecht gerückt. Der Filter befindet sich unter: Filter » Verzerrungsfilter » Objektivkorrektur...

In einer neuen Ansicht der Szene werden nun verschiedene Einstellungen getroffen werden, um Fehler der Linse zu kompensieren:

  • Remove Distortion: Ausgleichen der Verzerrungen (in diesem Fall: +3)
  • Vignette: Ausgleichen von Abdunklungen am Rand des Bildes (Amount: +20, Mitpoint: +10)

Die restlichen Einstellungen blieben in diesem Beispiel unverändert.

Bild zuschneiden

Da durch das Entzerren des Bildes am Randbereich der Bildfläche transparente Bereiche entstehen, wird das Bild nun mit dem Freistellungswerkzeug (C) beschnitten.

Foto nach Lens Correction

Fluchtpunkt-Werkzeug / Vanishing Point Tool

Im folgenden Schritt geht es um die eigentliche Festlegung der späteren 3D-Szene. Dazu verwendet man Fluchtpunkt (Alt Strg V bzw. Opt Cmd V): Filter » Fluchtpunkt....

Hierbei ist es wichtig, möglichst präzise zu arbeiten. Nach Möglichkeit auf den Pixel genau, da bereits kleine Fehler bei der Festlegung der Gitter zu großen Schwankungen bei der Generierung der 3D-Szene führen.
Hierfür stehen zwei Werkzeuge zur Verfügung:

  • Ebene-erstellen-Werkzeug (C): Erstellen eines neuen Gitters, durch Festlegen der vier Eckpunkte. Außerdem zum Aufziehen weiterer Gitter aus bereits bestehenden Gittern. Dazu bei aktivem Gitter aus dem kleinen weißen Quadrat in der Mitte der Seiten ein neues Gitter ziehen. Über den Schieberegler Winkel/Angle wird außerdem festgelegt, in welchem Winkel das neue Gitter zum Ursprungsgitter stehen sollen.
  • Ebene-bearbeiten-Werkzeug (V): Zum nachträglichen verschieben der Eckpunkte

Zuerst wird ein erstes Gitter (base grid) angelegt. In diesem Fall entschied ich mich dafür, die Wandfläche des linken Hauses als Grundgitter zu verwenden. Aus diesem Gitter werden weitere Gitter für Dach und Bodenfläche gezogen. Das zweite Haus besteht ebenfalls aus zwei verbundenen Gittern.

vanishing point schritt fuer schritt
Klicken um Animation zu betrachten.

Sobald man mit den festgelegten Gittern zufrieden ist, kann die Szene direkt aus dem Menü (kleiner Pfeilbutton) des Fluchtpunkt-Werkzeugs für 3D-Anwendungen exportiert werden: In DXF exportieren... bzw. In 3DS exportieren... bzw. In After Effects exportieren....

Bild zu Architekturfoto in 3D-Szene umwandeln

Dabei werden sowohl Dateien für die Geometrie der Szene erzeugt sowie für jedes Gitter eine Textur.

Fazit:

Natürlich ist man bei der Ausformung der Szene sehr eingeschränkt und muss an vielen stellen Kompromisse eingehen. Es geht allerdings auch nicht darum, in Photoshop komplexe 3D-Modelle zu erzeugen.
Für schnelle Prototypen oder Visualisierungen von geplanten baulichen Maßnahmen (indem man 3D-Modelle in die generierte Szene stellt und dann ein Rendering mit korrektem Licht erzeugt) kann die gezeigte Technik aber doch hilfreich sein. Leider entsprechen die Ergebnisse, welche beim Export der Szene entstehen nicht immer den Erwartungen.

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