Illustration mit Photoshop

Exzellenter Artikel
von Stefan Leuchtenberg | 0 | 32640 Aufrufe

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Phase 1: Die Skizze

Nach wie vor ist der entscheidende Faktor einer guten Illustration die Bildidee.
Der beste Weg, Bildideen zu entwickeln, den optimalen Ausdruck und die spannendste Komposition zu finden, ist über Skizzen. Es geht zunächst nicht darum, möglichst präzise zu arbeiten, sondern dem Bleistift freien Lauf zu lassen und Bilddeen zu entwickeln. Nachdem eine Idee als gut befunden wurde, kann an den Feinheiten gearbeitet werden.
Ich verwende meist rote Buntstifte (Sanford col-erase, #20066) für die groben Skizzen und zeichne mit Bleistift (ca. 2B) direkt auf die fertige Skizze die Konturen meiner späteren Illustration.

Bild zu Illustration mit Photoshop
Skizze: Bildidee
Bild zu Illustration mit Photoshop
fertige Vorzeichnung

Phase 2: Scannen und Vorbereitung

Bild zu Illustration mit Photoshop
Entfernen der roten Vorzeichnungen

Als nächsten Schritt wird die Vorzeichnung mit mindestens 300dpi (besser 600dpi) eingescannt.

Da ich letztendlich die roten Linien nicht in meiner Illustration haben möchte, entferne ich diese auf folgende Weise:

  1. Öffnen des Scans in Photoshop
  2. Duplizieren der Hintergrundebene (Ebene>Ebene duplizieren)
  3. Entfernen der roten Linien: Bild>Anpassen>Farbton/Sättigung:
    • Bearbeiten: Rottöne
    • Sättigung: -100
    • Lab-Helligkeit: +100
  4. Ebene benennen ("outlines") und in Ebenenpalette auf Modus "multiplizieren" schalten. Ebene abschließen.
  5. Neue Ebene ("block") erstellen.
Bild zu Illustration mit Photoshop
Ebenen nach Vorbereitungen

Phase 3: "Block out" - Anlegen der Farben

Nun beginnt die Koloration in Photoshop. Ich verwende dafür ein Wacom-Zeichentablett. Dessen Stift ermöglicht mir (im Gegensatz zur Maus) eine drucksensitive Eingabe.

Im ersten Schritt der Koloration geht es darum, die grobe Verteilung der Farben anzulegen. Die Arbeit erfolgt schnell, intuitiv und vor allem ohne (!) Angst etwas zu versauen. Ich betone das an dieser Stelle so deutlich, da diese unbekümmerte Arbeit ein großer Vorteil des digitalen Workflows ist. Alles kann jederzeit rückgängig gemacht werden!

Ich verwende dazu einen großen Pinsel mit strukturierter Spitze (z.B. "Spritzer") und mittlerer Deckkraft. Außerdem arbeite ich fast durchgehend in einer Gesamtansicht. Es geht wie gesagt nicht darum, an Details zu arbeiten, sondern eine überzeugende Farbverteilung anzulegen.

Da ich später einen Hintergrund einfügen möchte, erzeuge ich außerdem eine dunkelblaue Ebene. Diese liegt unter der Ebene mit der groben Farbverteilung. So erkenne ich bereits jetzt, wo später mein Hintergrund durchscheinen wird.

Bild zu Illustration mit Photoshop
Die Farben werden auf einer Ebene angelegt

Am Ende der Farbanlage sieht meine Illustration wie folgt aus:

Bild zu Illustration mit Photoshop
Anlegen der Farben

Phase 4: Verfeinerung

Im nächsten Schritt geht es darum, die Farbflächen etwas exakter herauszuarbeiten und überstehende Farbflächen zu entfernen. Wie genau man dabei arbeitet hängt davon ab, wie "sauber" die Illustration am Ende werden soll. Ich verwende sowohl für den Pinsel, als auch für den Radierer Werkzeugspitzen mit Struktur, damit die Zeichnung lebendig bleibt. Der allseits beliebte Airbrushpinsel kommt nicht zum Einsatz.

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Die "bereinigte" Farbanlage

Danach arbeite ich alle Details heraus und überarbeite die Farben der einzelnen Gegenstände noch ein wenig. Das erfordert etwas Geduld, besonders wenn die Zeichnung wie in diesem Beispiel aus vielen einzelnen Gegenständen besteht. Teilweise deute ich auch schon erste Schatten an.

Bild zu Illustration mit Photoshop
Details sind herausgearbeitet

Phase 5: Schatten und Licht

Im nächsten Schritt geht es darum, dem Bild Tiefe zu geben. Dazu ist es wichtig mit Licht und Schatten zu arbeiten.

Schatten:

  • Erstellen einer neuen Ebene ("Schatten") zwischen den Farben und den Outlines
  • Deckkraft: 40%, Modus: Hartes Licht
  • Zeichnen der Schatten mit schwarzer Farbe (bei mittlerer Deckkraft)

Licht:

  • Erstellen einer neuen Ebene ("Licht") zwischen dem Schatten und den Outlines
  • Deckkraft: 100%, Modus: Weiches Licht
  • Zeichnen mit weißer Farbe
Bild zu Illustration mit Photoshop
Licht und Schatten

Phase 6: Hintergrund und Bildausschnitt

Um die Illustration noch ein wenig lebendiger zu gestalten, möchte ich im folgenden Schritt meiner Illustration einen gemalten Hintergrund hinzufügen. Diesen erzeuge ich mit Aquarellfarben und großem, nassem Pinsel. Dabei ist eine interessante Struktur wichtiger als die Farbe des Hintergrunds, da diese beliebig in Photoshop geändert werden kann.

Bild zu Illustration mit Photoshop
Scan der Hintergrundtextur

Der Hintergrund wird ebenfalls gesannt und auf eine neue Ebene (über die Farbfläche) gelegt. Nun wird frei experimentiert, bis der Hintergrund das gewünschte Aussehen bekommen hat. Im einzelnen darzulegen, wie ich zu meinem Ergebnis gekommen bin macht in diesem Fall wenig Sinn, ich möchte aber einige Möglichkeiten nennen wie man dabei vorgehen kann:

  • verschiedene Modi in der Ebenpalette ausprobieren
  • ändern der Deckkraft
  • ändern von helligkeit und Kotrast (Bild>Anpassen>Helligkeit/Kontrast)
  • duplizieren der Ebene und Anpassen der Farbe (Bild>Anpassen>Farbton/Sättigung>Färben)
  • Kombination unterschiedlicher Varianten des Hintergrunds
  • Filter
  • etc.

Außerdem habe ich in dieser Phase das Format der Illustration noch ein wenig verändert.

Phase 7: Feinschliff

Als letzten Schritt gilt es, der Illustration den nötigen Feinschliff zu verpassen. In diesem Fall zeichne ich noch eine Ebene mit Effekten (Schnee) und füge einen halbtransparenten Rahmen hinzu. Außerdem dupliziere ich die Ebene mit den Outlines, damit die Konturen meiner Zeichnung deutlicher hervortreten. Damit ist die Illustration fertiggestellt.

Bild zu Illustration mit Photoshop
Die fertige Illustration
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