Matte Painting in Photoshop - Coming Closer

von Fabian Oefner | 1 | 15336 Aufrufe

Anzeige Hier werben

Was ist ein Matte Painting?

Der Begriff stammt aus der Filmindustrie und bezeichnet einen gemalten Teil eines Filmsets oder einer Kulisse. Diese Technik kommt zum Einsatz, um Landschaften, Städte oder fantastische Locations in eine Filmaufnahme einzufügen, die es ansonsten nicht geben würde oder die zu teuer wären, um dort zu drehen.
Die Kunst des Matte Painters liegt darin, ein Bild so realistisch wie möglich zu gestalten, damit der Betrachter im besten Fall nicht sieht, ob dies nun die Realität oder nur Fantasie ist. Während früher Matte Paintings von Hand auf große Glasplatten gemalten wurden, werden sie heute digital aus einzelnen Fotos zusammengefügt und mittels Blue Screen Technik in die Aufnahme eingefügt.

Los Geht`s

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Farbskizze zu "Coming Closer": Die Verschmelzung zweier Landschaften - Wüste und Gletscher.

Bevor man mit der Arbeit an einem Matte Painting beginnt, ist es wichtig, eine relativ genaue Vorstellung davon zu haben, wie das fertige Bild aussehen soll. Was soll auf dem Bild zu sehen sein? Wie ist es aufgebaut? Welche Stimmung möchte ich mit den Farben hervorrufen?
Dazu macht man am besten eine Farbskizze in Photoshop. Diese muss nicht sehr detailliert sein. Wichtig ist vor allem, dass die Komposition und das Farbkonzept schlüssig sind. Sehr gut erklärt ist das in folgendem Tutorial.
Dieser Schritt ist enorm wichtig, denn hat man keine klare Vorstellung davon, was am Schluss herauskommen soll, verliert man sich bei dem anschließenden Zusammenfügen der Fotos.

Sammeln von Referenzphotos

Ist man mit der Skizze zufrieden, geht es darum, die entsprechenden Referenzbilder zusammenzusuchen. Dies kann mitunter etwas zeitintensiv sein, aber es lohnt sich definitiv, die nötige Zeit zu investieren, denn nur gute Refernzbilder ermöglichen auch ein gutes Matte Painting. Bei der Auswahl sollte man auf folgende Punkte achten? Ist das Bild von der Qualität her in Ordnung oder weist es zum Beispiel ein starkes Rauschen auf? Ist es von der richtigen Seite her beleuchtet?

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Einige der Referenzbilder, die für "Coming Closer" verwendet wurden.

Am besten ist es natürlich wenn man sich eine Bibliothek mit selbstgemachten Bildern aufbaut. So kann man mit der Zeit auf eine immer grössere Zahl von Bildern zurückgreifen. Falls man jedoch, wie zum Beispiel in diesem Fall keine eigenen Bilder von Gletschern oder Wüstenlandschaften hat, kann man diese auch im Internet finden. Man sollte dabei jedoch darauf achten, keine Copyright-Rechte zu verletzen. Eine gute Übersicht von Stock Images Seiten, teilweise kostenlose, bietet folgende Website.

Das Arbeiten mit Layers - Der Himmel

Hat man nun die Referenzbilder zusammen, kann man beginnen, diese zusammenzufügen. Ich beginne normalerweise mit dem Himmel. Dies hat den Vorteil, dass man dadurch die Lichtsituation klar definiert, die sich ja auf alle anderen Elemente auswirkt. Gleich zu Beginn ist wichtig, dass man eine ordentliche Layerstruktur aufbaut. Das heisst man sollte die einzelnen Layers sauber beschriften und in entsprechende Ordner ablegen. Bei einer Datei mit über 100 Layers ist dies enorm wichtig, um auch in späteren Arbeitsstadien noch effizient arbeiten zu können und nicht die Hälfte der Zeit mit dem Suchen nach dem entsprechenden Layer zu vertrödeln. Falls man sich nun doch einmal in den Layers verliert gibt es einen einfachen Trick, um herauszufinden auf welchem Layer ein Element liegt: Mit Ctrl + rechte Maustaste auf das Element wird angezeigt, auf welchem Layer es sich befindet.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Eine klar verständliche Layerstruktur ist enorm wichtig, um effizient arbeiten zu können.

Der Himmel setzt sich aus mehreren Bildern zusammen. Zuerst legt man mit einem Bild den Grundton des Himmel fest, anschließend setzt man die Wolken ein und schlussendlich malt man mittels Pinselwerkzeug noch feine Highlights in den Himmel. Dafür verwende ich einen Standard-Photoshop Kalkpinsel.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Während die Wolken und das Cyanblau aus Fotos stammen, sind die feinen Wolkendetails gemalt. Ein Grafiktablett ist hier von großem Vorteil.

Zusammenfügen der Wüstenelemente

Sobald der Himmel mehr oder weniger fertig ist, können wir uns mit den Wüstenelementen beschäftigen. Auch hier wird zuerst die Grundfläche mittels Kalkpinsel gemalt. Dies kann mit einem ziemlichen großen Pinsel getan werden, da ein Großteil später wieder durch den Fluss in der Mitte und dem Gletscher auf der rechten Seite abgedeckt wird.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Falls man Mühe hat, die richtigen Farben für den Boden zu finden, kann man als Referenz auch ein Foto nehmen, bei dem die Farben von der Intensität und Sättigung her stimmen und sie mittels Pipette herauskopieren.

Jetzt werden die Dünen im rechten Bildrand mit Fotos ersetzt, sowie die Vegetation in der Bildmitte eingefügt. Dazu nehme ich ein Bild mit Dünen, kopiere es in die Datei hinein und lege eine Maske darüber. Nun blende ich mit einem großen, weichen Pinsel die Bereiche des Dünenbilds aus, welche ich nicht brauche. So blenden sich der vorhin gemalte Untergrund und die Dünen schön ineinander. (Weitere Infos zur Arbeit mit Masken findet man in folgendem Tutorial.)

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Die Dünen- und Vegetationselemente werden mittels Masken ineinandergeblendet.

Nun stimmen die einzelnen Fotos farblich, wie auch von der Helligkeit her selten überein. Hier kommen die Gradationskurven zum Einsatz. Mit diesem Tool hat man sowohl die Kontrolle über Helligkeit/Kontrast wie auch über die einzelnen Farbkanäle. Manchmal hat ein Bild vielleicht einen Farbstich. Dann ist es nötig, die entsprechende Farbe in den Gradationskurven etwas herunterzuschrauben.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Die Gradationskurven sind ein super Tool, um Helligkeit/Kontrast sowie die Farben anzupassen. Zu wissen, wie viel Blau oder Rot ein Element braucht, damit es sich realistisch ins Gesamtbild einfügt ist vor allem eine Erfahrungssache und kommt mit der Zeit automatisch.

Der Gletscher

Bevor ich nun mit den Felsenelementen auf der rechten Seite weiterarbeite, beginne ich mit dem Gletscher. Man muss nicht einen Bereich des Bildes komplett fertig haben, bevor man zu einem anderen wechseln kann. Man kann ruhig mal an einer anderen Partie arbeiten und später wieder an dieser Stelle weiterarbeiten.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Die einzelnen Elemente des Gletschers werden, ähnlich wie bereits die Dünenelemente mittels Masken zurechtgeschnitten und anschließend mittels den Gradationskurven aufeinander abgestimmt.

Die Eisblöcke - Freistellen mittels Kanälen

Eine beliebte Freistelltechnik, nebst dem Extrahierfilter, möchte ich anhand der Eisblöcke demonstrieren. Diese eignet sich sehr gut bei Bildern mit hohem Kontrast:

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
In der Kanalpalette sucht man sich den Kanal mit dem höchsten Kontrast aus, dupliziert diesen und verstärkt den Kontrast nochmals mittels Tonwertkorrektur. Noch kann man mit dem Zauberstab das Element problemlos auswählen und aus der Datei herauskopieren.
Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Die Eisblöcke werden ebenfalls mit den Gradationskurven korrigiert. Zusätzlich verwende ich auch hier einen Kalkpinsel um Highlights auf den Blöcken hinzuzufügen.

Das Einfügen der Flusslandschaft

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Mit einem Standardpinsel werden die Flüsse gemalt.

Für die Flusslandschaft verwenden wir keine Fotos, sondern malen sie direkt mit einem Kalkpinsel; auf einen separaten Layer natürlich. Den Deckkraft-Jitter und den Fluss-Jitter stellen wir dabei auf Zeichenstift-Druck (Sofern man mit einem Grafiktablett arbeitet, was ich an dieser Stelle unbedingt empfehle). Damit man die richtigen Farben für den Fluss trifft, kann man die Blautöne mit der Pipette aus dem Himmel samplen.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Detail aus der Flusslandschaft.

Den Blick fürs Gesamtbild nicht verlieren

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Kleine Änderungen wie das bessere Abstimmen der Gletscherfarben sowie Highlights auf dem Gletscher können ein Bild wirklich zum Leben bringen.

Wenn man zulange an Details besteht die Gefahr, dass man den Gesamtblick für das Matte Painting verliert. Deshalb ist es wichtig, von Zeit zu Zeit aus dem Bild zu zoomen und das Gesamtbild zu studieren. Welche Partien lassen sich noch verbessern? Stimmen die Schattierungen auf den Objekten soweit?

Bildbalance - die Felsenpartien

Das Bild ist bis jetzt noch sehr rechtslastig. Um diese Unausgeglichenheit zu beheben, fügen wir auf der linken Seite nun die Felsenelemente ein.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Nun hat das Bild eine bessere Balance.

Dabei gehen wir gleich vor wie schon bei den Gletscherelementen: Maske über den Layer legen, die überflüssigen Partien abdecken, mittels Gradationskurven die Helligkeit und die Farbe abstimmen und schlussendlich mittels Pinsel einige Highlights auf die Felsen setzen.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Gemalte Highlights auf den Felsen.

Schatten malen

Nun wirft der Gletscher, sowie die Eisblöcke noch keinen Schatten auf den Untergrund, weshalb diese Elemente nicht sehr integriert aussehen. Dies ändern wir nun. Dazu fassen wir den gesamten Boden inkl. der Vegetation und den Flüssen auf einer neuen(!) Ebene zusammen. Anschließend dunkeln wir diese mittels der Tonwertkorrektur ab. Nun legen wir auf diese Ebene eine Maske und können so bestimmen welche Partien dieser dunkleren Ebene zu sehen sind und welche nicht.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Bevor man die maskierte, dunklere Ebene bearbeitet, sollte man sich genau überlegen, woher das Sonnenlicht kommt und in welche Richtung entsprechend der Schatten fällt.

Abschließende Elemente

Nun ist das Bild nahezu fertig. Was jetzt noch kommt ist das Feintuning: Hervorheben von Details in der Flusslandschaft mittels Malen von Highlights, das bessere Integrieren der Gletscherelemente, indem wir Sand auf das Eis malen und weitere feine gemalte Details hinzufügen.

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Die Sanddetails malen wir ebenfalls mittels Kalkpinsel auf. Die Farben beziehen wir direkt mittels Pipette vom Untergrund.
Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Ebenfalls integrieren wir noch einen Beduinen in das Bild. Dies würde man bei einem echten Matte Painting für den Film nicht machen. Hier aber integrieren wir ihn aber um die Spannung des Bildes zu erhöhen.

Farb- und Helligkeitsanpassungen

Zum Schluss legen wir noch eine "Gradationskurven"-Einstellungsebene auf das gesamte Bild und passen die Helligkeit sowie die Farben noch etwas an. Das wärs!

Bild zu Matte Painting in Photoshop - Coming Closer
Das fertige Matte Painting "Coming Closer"

Schlusswort

Vielleicht noch zum Schluss als kleine Wiederholung: Was sind die Voraussetzungen für ein gutes Matte Painting?

1. Zu Beginn eine klare Vorstellung davon haben, wie das fertige Matte in etwa aussehen sollte. Dies macht man am einfachsten anhand einer Farbskizze.

2. Gute Referenzbilder sammeln.

3. Eine saubere Ebenenstruktur aufbauen.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Tutorial einen kleinen Einblick in das Erstellen eines Matte Paintings geben konnte. Ich habe bewusst darauf verzichtet, die Techniken bis ins Detail zu erklären, weil ich vor allem Wert auf den Ablauf eines Matte Paintings legen wollte.

Über den Autor: Fabian Oefner
Weitere Arbeiten des Authors aus den Bereichen Produktdesign, Fotografie und Matte Painting sind auf www.fabianoefner.com zu sehen.
Profilseite betrachten