Walktrough zur Erstellung eines Szenekonzepts

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Sengende Hitze. Eine unendlich scheinende, flache, trockene Wüste. Zwei gigantische Armeen schwer bewaffneter Krieger, die in ihrer Rage nichts anderes wollen als ihrem Feind die Lanze in den Körper zu rammen, stürmen aufeinander zu. Die Phalanx beider Armeen reicht bis zum Horizont und wirkt wie eine Lawine aus Muskeln, Schwertern und Lanzen. Die Erde bebt, die Armeen kommen sich immer näher und der freie Tunnel zwischen ihnen wird kleiner. Die verfeindeten Krieger sind sich jetzt so nahe, dass sie sich ihr erstes Ziel aussuchen können. Die letzten Meter nehmen die Krieger jeden Funken Energie den sie aus ihren stahlharten Muskeln ziehen können zusammen. DAS ist der Moment. Zwei Meter Distanz. Die Speere werden ausgeholt, die Klingen aus den Scheiden gezogen und die Schilde aufgestellt.

Diesen emotionsgeladenen Moment, kurz bevor die beiden Massen roher Gewalt aufeinander treffen, will ich als Szenekonzept darstellen.

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1.

Bei persönlichen Arbeiten gehe ich sehr unterschiedlich an Bilder heran. Entweder ich fange direkt an mit einem Pinsel auf die weiße Fläche zu malen und stelle mich dann auf Motive ein, die sich per Zufall ergeben, oder ich habe , wie in diesem Fall, bereits ein Bild im Kopf. Da ich schon eine grobe Vorstellung von der Anzahl der Personen, deren Haltung und der Gesamtkomposition habe fange ich an mit einem einfachen großen Pinsel in Photoshop sehr grobe Silhouetten zu malen. Den weißen Hintergrund habe ich vorher mit einem Grauton etwas verdunkelt um einen zu starken Helligkeitskontrast zu vermeiden. Obwohl sich das Bild noch in einem sehr frühen Stadium befindet verwende ich schon Texturen in den Pinseleinstellungen um etwas Struktur und Leben in das Bild zu bringen, außerdem können aus diesen Strukturen wieder neue Ideen für das Bild entstehen.

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2.

Sobald ich mit der groben Komposition zufrieden bin fange ich an die Personen genauer zu definieren. Dazu übermale ich das Bild mit einem dünneren und feineren Pinsel auf einer neuen Ebene. Ich habe selbst noch keine exakte Vorstellungen vom Aussehen und der Haltung der Figuren, daher lass ich mich selbst durch die einfache Silhouette inspirieren. In meinem vorgestellten Bild sollen zwei Krieger im Vordergrund sein, der eine ein Schild vor sich haltend und in einer Abwehrposition, der andere mit ausgeholter Lanze auf ihn zustürmend. In dieser Phase nehme ich noch keine Rücksicht auf Anatomie, da ich meistens einzelne Körperteile später noch verändere oder umpositioniere. Ich verschiebe diesere grobe Skizze mehrmals auf dem Bild und spiegle sie um die Komposition zu überprüfen.

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3.

Meine Idee ist jetzt als Mischung aus Skizze und Vorzeichnung auf separaten Ebenen "auf dem Papier". Als nächstes lege ich eine neue Ebene an und stelle sie auf "Kolorieren". Wie am Anfang schon beschrieben stelle ich mir die Szene in einer sehr heißen und trockenen Sandwüste vor, also fülle ich die Ebene mit einem Rot-Braunton. Die Hitze der Luft stelle ich mit einem Gold-Gelbton dar, den ich mittels einer zweiten "Kolorieren" Ebene im oberen Bereich des Bildes hinzufüge. Mit den Farbebenen habe ich eine bessere Vorstellung von der Szene, ich behalte diese aber separat und arbeite weiterhin mit Graustufen. Muskeln und andere plastische Formen kann man am besten durch verschiedenfarbige Lichtquellen darstellen, ich möchte das Bild allerdings monoton in dem Gold-Braun Farbspektrum halten.

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4.

Ich beginne jetzt die Körper zu rendern, d.h. ich verleihe ihnen mittels meines Himmels als Lichtquelle Plastizität und kümmere mich schon ein wenig um das Design der "Rüstung". Dazu lege ich eine neue Ebene unter der Skizze an und male diese mit einem großen runden Pinsel und einem neutralen Lokalton aus. Ich stelle die Transparenz dieser Ebene auf etwa 70% um ein wenig der Struktur des Hintergrundes durchscheinen zu lassen. Danach schwäche ich meine eher dunkle Skizze ab auf etwa 30% und vereinige sie mit meiner Lokalfarbe. Zum Ausrendern verwende ich größtenteils dünne runde Pinsel mit 100% Deckkraft. Ich male dabei direkt auf die neue Skizzen-Lokaltonebene. Ich versuche die Körper übermäßig muskulös allerdings nicht unrealistisch darzustellen, ähnlich den Kriegern aus "300", nur etwas bulliger. Da mir die Position des bildlinken Kriegers nicht gefällt wiederhole ich einfach die Schritte 1. und 2. bis mir die Haltung mehr zusagt.

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5.

Da in der linken Bildhäfte der Raum zwischen dem Krieger und dem Bildende zu gering ist, erweitere ich das Bild nach links ein wenig um das Gleichgewicht des Bildes zu erhalten. Die neue Fläche male ich einfach mit den Tonwerten der angrenzenden Pixel aus. Außerdem fange ich an den Körper des linken Kriegers ebenfalls genauer auszuarbeiten und seine Rüstung zu designen. Zusätzlich entsättige ich die intensive rote Farbe des des Hintergrund durch eine weitere grün-gelbliche Farbebene.

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6.

In diesem Schritt fange ich an die Krieger im Mittelgrund zu definieren. Da ich die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht zu stark von den beiden Kämpfern im Vordergrund lenken will, versuche ich nicht mehr als 3 weitere Personen pro Bildhälfte hinzuzufügen. Ich versuche außerdem ihre Bewegungen nicht durch Unschärfe darzustellen sondern indem ich ihre Körper weitgehend undetailliert und grob lasse. Ich schätze diesen Effekt da Bewegungsunschärfe eher ein Kameraeffekt ist. Das Auge allerdings nimmt in einer Bewegung weniger Informationen war und verarbeitet die große Anzahl an undetailierten Bildern zu einem scheinbar unscharfen Film. Neben den Figuren im Mittelgrund arbeite ich die Phalanx im Hintergrund weiter aus. Diese stelle ich allerdings nicht nur undetailliert sondern regelrecht abstrakt und unkenntlich dar in dem ich teilweise mit einem sehr dünnen runden Pinsel unpräzise Striche ziehe. Diese Technik hilft mir die Massen an kampfeswilligen Kriegern wie einen enger werden Tunnel wirken zu lassen. Zusätzlich verleihe ich dem Bild durch die goldenen Helme und die roten Flaggen ein wenig mehr Farbe, dabei überschreite ich mein vorher festgelegtes Farbspektrum nicht.

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7.

Soweit bin ich mit der Komposition, den Figuren und ihrer Haltung, der Atmosphäre und den Farben zufrieden. Ich wechsel nun zu Corel Painter IX und verleihe den Figuren im Vordergrund sowie im Mittelgrund mehr Detail und versuche die Szene realistischer rüber zu bringen. Den Schild, der in der bildlinken Hälfte am Boden steht, habe ich noch einmal in einem separaten Bild in der Vorderansicht konstruiert in dem ich kreisförmige Objekte ineinander setze und diese mit Corel Painter's Musterzeichner und einem Speerspitzenmuster verziere. Den flachen Schild kopiere ich in das Bild und verzerre ihn anschließend perspektivisch, so dass er wirkt, als ob er auf dem Boden gehalten werden würde.

Nun lege ich sämtliche Ebenen auf dem Hintergrund ab und arbeite fortan direkt auf diesem weiter. Mit Ölpinseln und Pastelkreiden definiere ich einige Stellen genauer und verwische ungenaue Stellen mit einem Mischpinsel. Diese Arbeitsweise ähnelt sehr der traditionellen Ölmalerei, ich ziele allerdings nicht darauf ab das Bild traditionell wirken zu lassen. Mit dieser Technik arbeite ich einige Stellen weiter aus und füge Details hinzu.

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8.

Zum Schluss habe ich noch ( nach Beratung eines befreundeten Künstlers ) die Position des rechten Armes des bildrechten Kriegers verändert. Dazu habe ich den vorherigen Arm komplett mit der Hintergrundfarbe übermalt und bin auf die selbe Weise vorgegangen wie in den ersten Schritten. Die neue Haltung ist logischer, verdeckt weniger vom Hintergrund und lässt zusätzlich die Überschneidung mit dem Speer verschwinden, wodurch dieser besser zur Geltung kommt. Es ist sehr vorteilhaft andere Künstler seine eigenen noch unvollendeten Werke zu zeigen und beurteilen zu lassen da sich das Auge sehr schnell an einen Anblick gewöhnt und man, je länger man an dem selben Bild arbeitet, seine ursprüngliche Intention verliert . Fehler oder andere Ungereimtheiten erkennt man dann eventuell nicht mehr selber . Einem frischen Auge hingegen, das das Bild zum ersten mal sieht, fallen solche Fehler sofort auf.

Mit Painter's Glowbrush male ich noch mit einem sonnigen Rot-Goldton über die hintere Phalanx um die Atmosphäre und die heissen Strahlen der Sonne noch etzwas zu betonen. Zu guter letzt füge ich noch ein paar Texturen mittels einer Kreide hinzu um die Materialität der Objekte ein wenig besser rüberzubringen.

Ich beschließe die Arbeit an dem Bild in diesem Punkt einzustellen da ich der Meinung bin, dass es meine Intention gut genug rüberbringt. Es könnte als Konzept für eine Kameraeinstellung in einer Filmsequenz verwendet werden und auf den Ideen der Krieger könnte man weitere Konzepte aufbauen.


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