Deutsche Sammelbürokratie betrifft jetzt auch Webmaster

von Martin G. | 0 | 1785 Aufrufe

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Laut der "Verordnung über die Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche Nationalbibliothek" muss jeglicher, von deutschen Bundesbürgern im Web veröffentlichte Kontent, an die Deutsche Nationalbibliothek geschickt werden.

Aus der Reihe "Wir schießen mit Kanonen auf Spatzen" ist wohl die gestern im Bundesgesetzblatt veröffentlichte "Verordnung über die Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche Nationalbibliothek" zu sehen.
Danach muss ab sofort nämlich jeder Kontent, der ins "Sammelgebiet Netzpublikationen aus den Medienwerken in unkörperlicher Form" fällt an die Deutsche Nationalbibliothek gesendet werden. Auf deutsch: Alle Bilder, Grafiken Schriften, Text- und Audioinhalte, die im Internet öffentlich verfügbar sind.

Abzuliefern sind die Inhalte am Liebsten als PDF. Komplexere Seiten "dürfen" auch als ZIP abgeliefert werden. Einzige Ausnahme "lediglich privaten Zwecken dienende Websites" - vermutlich fallen aber selbst kleinere Firmenwebsites nicht unter diese Definition.
Man darf in Frage stellen, ob sich die "Entscheider" im Klaren darüber sind, welch immensen Zeitaufwand diese Verordnung nach sich zieht.

Bitkom kritisierte bereits vor einem Jahr diese Verordnung und schätzt den Kostenmehraufwand auf rund 115 Millionen Euro pro Jahr für die deutschen Unternehmen ein.

Webmaster sollten also nun Ihre Kunden gründlich auf diese Neuverordnung hinweisen, denn laut Verordnung müssen die Medienwerke "nur von denjenigen abgeliefert werden, die für sie das Recht zur Verbreitung haben".

Über den Autor: Martin G.
Martin G. ist Mediendesignstudent und Leiter der Entwicklung in einem mittelständischen Medienhaus.
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