Urteil: Kostenpflichtige Branchenbücher ohne Google-Ranking sind sittenwidrig und wertlos

von Wolfgang Schneider | 1 | 1384 Aufrufe

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Das Landgericht Wuppertal hat nun in einem Urteil festgestellt, dass kostenpflichtige Branchenbücher welche nicht auf den ersten fünf Suchergebnisseiten bei Google oder Bing erscheinen, wertlos sind. Sie erfüllen laut Gericht sogar den Tatbestand der Sittenwidrigkeit. Im Urteil heißt es ebenfalls, dass es für diese Branchenbücher ein leichtes sei, mittels Anzeigen entsprechende Nutzerzahlen zu generieren.

Zu dem Urteil kam es, nachdem das Gericht das Geschäftsmodell des "Branchenverzeichnisses" Branche100.eu begutachtet hatte. Bei diesem Branchenverzeichnis stellte das Gericht ein "objektiv auffälligen Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung" und eine "verwerflichen Gesinnung des Begünstigten" und damit den Tatbestand der Sittenwidrigkeit fest. Auf Branche100.eu kostet ein Brancheneintrag jährlich fast 1000 € und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Kunden. Die Gegenleistung, so das Gericht, sei somit wertlos.

Vorausgegangen war hier eine Internet-Recherche der Kammer, bei der Branche100.eu in den Suchmaschinen Google, Bing und Ask jeweils nicht auf den ersten fünf Suchergebnisseiten erschien. Hierzu betonte das Gericht deutlich: "Dabei wäre es für sie ein Leichtes, etwa durch Schaltung von Anzeigen in den genannten Suchmaschinen, eine entsprechende Nutzerzahl zu generieren". Nach Kontaktierung des Betreibers stellte das Gericht fest, dass der Betreiber von Branche100.eu keinerlei Interesse an einer Nutzung seines Verzeichnisses habe und auch keine Angaben zu Nutzerzahlen machen könne.

Weiterhin stellte das Gericht Voraussetzungen für ein wucherähnliches Geschäft fest. Kunden würden in einem Anschreiben bewusst im Unklaren gelassen, dass mit Rücksenden des Schreibens Rechtsfolgen in Kraft treten.

Kommentar: Positive Entwicklung

Durchaus ist dieses Urteil eine positive Entwicklung im undurchschaubaren Dschungel der zahllosen Branchenverzeichnisse und es bleibt zu hoffen, dass dieses Urteil als Stein des Anstoßes auch für andere Verzeichnisse gilt, ihre Geschäftspraktiken nochmal zu überdenken. Hier gibt es leider immer noch viel zu viele "Schwarze Schafe", welche Unternehmen für horrende Jahresgebühren einen wertlosen "Brancheneintrag" in einem schlecht oder überhaupt nicht gepflegten Verzeichnis verkaufen. Diese Verzeichnisse leiden außerdem oft nicht nur unter optischen und technischen Mängeln, sondern sind von Google selbst bereits als schlechte Seiten eingestuft und oft im Index nicht mehr zu finden.

Meine Empfehlung: Finger weg von dubiosen Branchenverzeichnissen. Aus eigener Erfahrung als SEO weiß ich, dass diese angeblichen "Backlinks" für Google inzwischen keinen Pfifferling mehr wert sind. Eher führen solche Links von dubiosen Branchenverzeichnissen noch zu einer Abwertung der eigenen Webseite (Toxic Links). Lieber hier und da auf einen schnellen, qualitativ schlechten Backlink verzichten und dafür hochwertige Links aufbauen.

Über den Autor: Wolfgang Schneider
Online Marketeer & Projektmanager bei Team23 in Augsburg. Netzkind der ersten Stunde und Photoshopjunky. Seit über 10 Jahren im Bereich Design, Entwicklung & Online-Marketing tätig.
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