Mit WordPress 5.9 Josephine hat das beliebte Open-Source-CMS im Januar 2022 einen der bedeutendsten Versionsprünge seiner Geschichte vollzogen. Benannt nach der Jazzsängerin Josephine Baker, läutet dieses Update eine neue Ära des visuellen Website-Bauens ein. Im Mittelpunkt steht das vollständig ausgereifte Full Site Editing — kurz FSE —, das die Art und Weise, wie Websites gestaltet werden, grundlegend verändert hat.
Wer die Geschichte von WordPress verfolgt hat, weiß: Mit jedem Major-Release wird die Messlatte höher gelegt. Version 5.9 setzt dabei einen klaren Schwerpunkt auf Flexibilität, visuelle Gestaltungsfreiheit und ein zugänglicheres Designsystem für alle Nutzergruppen — vom Einsteiger bis zum Profi-Entwickler.
Full Site Editing: Was steckt hinter dem größten Feature von WordPress 5.9 Josephine?
Full Site Editing (FSE) ist das Herzstück von WordPress 5.9 Josephine. Damit lassen sich erstmals nicht nur einzelne Beiträge und Seiten mit dem Gutenberg-Editor bearbeiten, sondern die gesamte Website — einschließlich Header, Footer, Sidebar und Seitenvorlagen. Das war bislang ausschließlich über PHP-Templates im Theme oder externe Page-Builder möglich.
Mit dem neuen Site Editor werden sämtliche strukturellen Bereiche einer Website zu editierbaren Blöcken. Das bedeutet: Layoutveränderungen, Designanpassungen und Strukturierungen erfolgen direkt im visuellen Editor, ohne eine einzige Zeile Code anfassen zu müssen.
Ein zentrales Element des Full Site Editings ist das Konzept der Block Templates und Template Parts. Diese erlauben es, wiederverwendbare Strukturelemente einmal zu definieren und seitenübergreifend einzusetzen. Änderungen an einem Template Part — etwa dem globalen Header — wirken sich sofort auf alle Seiten aus, die diesen Bereich nutzen.
💡 Wichtige Fakten zu WordPress 5.9 Josephine
- Veröffentlicht am 25. Januar 2022 als Major Release
- Erstes WordPress-Release mit vollständig integriertem Full Site Editing
- Einführung des Standard-Block-Themes „Twenty Twenty-Two“
- Neuer Style Switcher für schnellen Design-Wechsel ohne Theme-Wechsel
- Über 90 neue Blöcke und Block-Variationen verfügbar
- Verbesserte Performance und Barrierefreiheit im gesamten Editor
Block Themes und der Style Switcher
Parallel zum Full Site Editing führt WordPress 5.9 Josephine das Konzept der sogenannten Block Themes ein. Im Gegensatz zu klassischen PHP-Themes bestehen Block Themes vollständig aus HTML-Templates und Block-Markup. Sie nutzen eine zentrale Konfigurationsdatei namens theme.json, über die globale Designeinstellungen wie Farben, Schriften, Abstände und Layout-Optionen zentral gesteuert werden.
Das mitgelieferte Standard-Theme „Twenty Twenty-Two“ ist das erste offizielle WordPress-Block-Theme und dient gleichzeitig als Referenz-Implementierung für Entwicklerinnen und Entwickler, die eigene Block Themes erstellen möchten. Es ist minimalistisch, schnell und vollständig mit dem neuen Site Editor kompatibel.

Ein besonders praktisches neues Feature ist der Style Switcher. Damit lassen sich verschiedene Designvarianten eines Themes mit einem einzigen Klick testen und anwenden — ohne das Theme zu wechseln oder Einstellungen manuell zurückzusetzen. Theme-Entwickler können mehrere Stilvarianten in ihrer theme.json hinterlegen, zwischen denen nahtlos gewechselt werden kann.
Für Website-Betreiber bedeutet das: Saisonale Designs, Rebranding-Tests oder A/B-Experimente mit verschiedenen Farbpaletten werden deutlich einfacher umsetzbar. Die visuelle Kontrolle liegt dabei vollständig beim Nutzer — ganz ohne CSS-Kenntnisse.
Neue Blöcke und verbesserte Gutenberg-Funktionen in Version 5.9
Neben dem großen FSE-Update liefert WordPress 5.9 Josephine auch eine Reihe neuer und verbesserter Blöcke. Der Comments Query Loop Block ermöglicht es, Kommentarbereiche flexibel per Block zu gestalten. Der Post Author Biography Block zeigt Autorenprofile übersichtlich an, während der Read More Block individuelle Weiterlesen-Links ohne Plugin-Abhängigkeit ermöglicht.
Auch die bestehenden Blöcke wurden weiterentwickelt. Der Bild-Block erhielt erweiterte Duotone-Filteroptionen, der Gruppen-Block unterstützt nun Sticky-Positionierung, und der Navigation-Block wurde grundlegend stabiler und vielseitiger. Für viele dieser Funktionen waren zuvor zusätzliche Plugins oder manuelle Codeeingriffe notwendig.
| Feature | Vor WordPress 5.9 | Mit WordPress 5.9 Josephine |
|---|---|---|
| Header/Footer bearbeiten | Nur via PHP-Template oder Page Builder | Direkt im Site Editor per Drag & Drop |
| Designwechsel | Theme-Wechsel oder manuelles CSS | Style Switcher mit einem Klick |
| Globale Designeinstellungen | Individuell je nach Theme-Optionen | Zentral via theme.json konfigurierbar |
| Seitenvorlagen | Nur für Entwickler via PHP zugänglich | Visuell editierbar im Template Editor |
| Theme-Typ | Klassische PHP-basierte Themes | Block Themes mit HTML-Templates |
| Kommentargestaltung | Abhängig von Theme-Funktionen | Comments Query Loop Block verfügbar |
Ebenfalls verbessert: die Performance des Editors selbst. Gerade bei inhaltsreichen Seiten mit vielen Blöcken war die frühere Gutenberg-Version mitunter träge. In WordPress 5.9 wurden zahlreiche Optimierungen am Rendering und an der Datenverarbeitung vorgenommen, was sich in spürbar schnelleren Ladezeiten im Backend niederschlägt.
Für Entwickler ist außerdem die überarbeitete Block Locking API relevant. Sie erlaubt es, bestimmte Blöcke für Endnutzer zu sperren — etwa um zu verhindern, dass kritische Layoutelemente versehentlich verschoben oder gelöscht werden. Das ist besonders nützlich bei Agenturen, die Websites für Kundinnen und Kunden aufbauen und dabei die Bearbeitungsrechte fein abstimmen möchten.
Barrierefreiheit, Performance und Internationalisierung
Ein weiterer Schwerpunkt von WordPress 5.9 Josephine liegt auf Barrierefreiheit. Das Entwicklerteam hat den Gutenberg-Editor in zahlreichen Bereichen überarbeitet, um ihn mit assistiven Technologien besser kompatibel zu machen. Tastaturnavigation, ARIA-Labels und Fokus-Management wurden verbessert, was sowohl die Zugänglichkeit des Backends als auch die der damit erstellten Websites erhöht.
Dass Open-Source-Software wie WordPress aus Sicherheits- und Nachhaltigkeitsperspektive besonders empfehlenswert ist, unterstreicht auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: freie und quelloffene Software fördert IT-Sicherheit durch transparente Codeüberprüfung. WordPress setzt diesen Ansatz konsequent um — von der Core-Entwicklung bis hin zur Plugin-Architektur.
Auch für mehrsprachige Projekte bietet das Release Verbesserungen. Die Internationalisierungs-API wurde erweitert, und Block Themes lassen sich nun vollständiger übersetzen als klassische Themes. Wer internationale Websites betreibt, profitiert direkt von diesen Neuerungen — insbesondere in Kombination mit Übersetzungs-Plugins wie WPML oder Polylang.
- Verbesserte ARIA-Rollen und Tastaturnavigation im Block Editor
- Erweiterte Übersetzungsunterstützung für Block Themes via theme.json
- Optimierter Quellcode für schnelleres Backend-Rendering
- Verbesserte mobile Darstellung im Site Editor
- Neue Block Locking API für Agenturen und Entwickler
- Duotone-Filter und erweiterte Bildoptionen im Core
WordPress selbst betont in der offiziellen Dokumentation, dass WordPress 5.9 das bisher umfangreichste Update der CMS-Geschichte darstellt — mit mehr als 450 behobenen Fehlern und über 500 Feature-Ergänzungen im Gutenberg-Plugin allein.
Was WordPress 5.9 Josephine langfristig für Website-Betreiber bedeutet
Der langfristige Effekt von WordPress 5.9 Josephine lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Das CMS hat mit diesem Update den Sprung vom reinen Blogging-Werkzeug zum vollständigen, codefreien Website-Builder vollzogen. Damit wird WordPress nicht nur für klassische Blogger attraktiver, sondern rückt auch als ernstzunehmende Alternative zu kommerziellen Website-Baukästen wie Squarespace oder Wix ins Blickfeld.
Für Agenturen und Freelancer verändert sich die Arbeit an Kundenprojekten grundlegend. Durch den Site Editor und die Block Locking API lassen sich strukturierte, wartungsfreundliche Websites aufbauen, bei denen Kunden eigenständig Inhalte pflegen können — ohne die Möglichkeit, das Layout versehentlich zu zerstören. Das spart Support-Aufwand und erhöht die Kundenzufriedenheit erheblich.
Wer noch auf einem klassischen Theme aufbaut, muss nicht sofort wechseln — klassische Themes bleiben vollständig unterstützt. Es empfiehlt sich jedoch, neue Projekte konsequent auf Block Themes und das FSE-Ökosystem aufzubauen, um langfristig von der Weiterentwicklung der Plattform zu profitieren. Die Richtung ist klar: WordPress 5.9 Josephine hat den Standard für alle kommenden WordPress-Versionen gesetzt.