Browsermarkt im Sommer 2008: Firefox 3 legte zu, der Internet Explorer verlor an Boden

Samuel Becker

Im Sommer 2008 hatte sich der Browsermarkt im deutschsprachigen Internet spürbar verändert. Mehrere neue Browserversionen waren innerhalb weniger Monate erschienen, Nutzer hatten zunehmend auf aktuelle Programme umgestellt, und zugleich hatte sich gezeigt, dass ältere Software weiterhin erstaunlich lange im Einsatz geblieben war.

Besonders deutlich war das an drei Entwicklungen zu erkennen gewesen: dem schwachen Wachstum von Microsoft Silverlight, dem erfolgreichen Start von Firefox 3 sowie dem weiteren Rückgang des Internet Explorers.

Gerade für Webentwickler und Websitebetreiber war diese Phase von besonderer Bedeutung gewesen. Während moderne Browser neue technische Möglichkeiten eröffneten, hatten alte Versionen — allen voran der Internet Explorer 6 — weiterhin für erhebliche Probleme bei der Umsetzung und Optimierung von Webseiten gesorgt.

Silverlight hatte bis Juni 2008 an Schwung verloren

Zu Beginn des Jahres 2008 hatte Microsoft mit Silverlight noch auf eine wachsende Verbreitung hoffen können. Das Browserplugin war als Konkurrenz zu Flash positioniert worden und sollte multimediale Inhalte sowie interaktive Webanwendungen ermöglichen. In den ersten Monaten des Jahres hatte Silverlight auch tatsächlich an Reichweite gewonnen.

Bis Juni 2008 hatte sich dieses Wachstum jedoch deutlich abgeschwächt. Die Verbreitung war bei rund sieben Prozent nahezu stehen geblieben. Damit hatte Silverlight zwar eine gewisse Sichtbarkeit erreicht, war aber weit davon entfernt gewesen, eine breite technische Basis im Web zu bilden.

Der Abstand zu anderen Technologien war zu diesem Zeitpunkt erheblich geblieben. Flash hatte bereits auf eine Verbreitung von über 95 Prozent zurückblicken können und war damit faktisch flächendeckend vorhanden gewesen.

Auch SVG war mit über 50 Prozent deutlich stärker verbreitet gewesen als Silverlight. Microsofts Plattform war damit im Sommer 2008 in einer vergleichsweise schwachen Position geblieben.

Für Betreiber von Websites hatte das bedeutet, dass Silverlight allein keine verlässliche Grundlage für Inhalte mit großer Reichweite geboten hatte. Wer möglichst viele Nutzer hatte erreichen wollen, hatte weiterhin auf etabliertere Technologien setzen müssen.

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Der 17. Juni 2008 hatte Firefox 3 starken Auftrieb gegeben

Ein besonders auffälliger Einschnitt hatte sich am 17. Juni 2008 gezeigt. An diesem Tag war Firefox 3.0 veröffentlicht worden, und in den Nutzungszahlen hatte sich dieser Termin unmittelbar bemerkbar gemacht. Die neue Version hatte innerhalb kurzer Zeit deutlich an Verbreitung gewonnen.

Dazu hatte auch die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den Start beigetragen. Mozilla hatte den Marktstart mit einem Weltrekordversuch begleitet, der international für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Diese Aktion hatte nicht nur hohe Downloadzahlen erzeugt, sondern auch dafür gesorgt, dass viele Nutzer frühzeitig auf die neue Version umgestiegen waren.

Im Rückblick war erkennbar, dass Firefox 3 schon unmittelbar nach seiner Veröffentlichung einen kräftigen Schub erhalten hatte. Das war ein Hinweis darauf gewesen, dass Firefox-Nutzer im Vergleich zu Anwendern anderer Browser oft schneller auf neue Versionen umgestellt hatten.

Für Webentwickler war das grundsätzlich eine positive Entwicklung gewesen, weil moderne Browserversionen meist eine bessere Unterstützung aktueller Standards geboten hatten.

Trotz dieses erfolgreichen Starts war allerdings auch sichtbar geblieben, dass sich selbst populäre neue Versionen nicht von einem Tag auf den anderen vollständig durchsetzten. Auch beim Firefox hatte der Austausch älterer Versionen noch Zeit benötigt.

Der Internet Explorer war erstmals seit über zehn Jahren unter 60 Prozent gefallen

Eine der markantesten Veränderungen hatte den Internet Explorer betroffen. Im Sommer 2008 war dessen Marktanteil in Deutschland erstmals seit mehr als zehn Jahren unter die Marke von 60 Prozent gefallen.

Mit rund 58 Prozent war der Browser zwar weiterhin Marktführer geblieben, die symbolisch wichtige Schwelle war jedoch unterschritten worden.

Diese Entwicklung war als deutlicher Hinweis auf einen langfristigen Wandel im Browsermarkt verstanden worden. Die Verluste des Internet Explorers waren vor allem dem Firefox zugutegekommen.

Andere Browser wie Opera oder Safari hatten zwar ebenfalls leichte Zuwächse verzeichnet, bei der eigentlichen Umverteilung hatten sie aber nur eine kleinere Rolle gespielt.

Für die Weblandschaft hatte dieser Rückgang des Internet Explorers mehrere Folgen gehabt. Zum einen war die Dominanz eines einzelnen Browsers schwächer geworden.

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Zum anderen hatte dies bedeutet, dass Webprojekte stärker auf mehrere Browserfamilien ausgerichtet werden mussten. Die Zeit, in der sich fast alles ausschließlich am Internet Explorer orientiert hatte, war damit bereits deutlich ins Wanken geraten.

Der Internet Explorer 6 war trotz seines Alters noch immer weit verbreitet

Besonders problematisch war im Sommer 2008 die weiterhin hohe Nutzung des Internet Explorer 6.0 geblieben. Obwohl dieser Browser bereits über sieben Jahre alt gewesen war, war sein Marktanteil noch immer auf knapp unter 25 Prozent gekommen.

Für Webentwickler war das eine schlechte Nachricht gewesen. Der Internet Explorer 6 hatte sich über Jahre hinweg als einer der größten Störfaktoren bei der technischen Umsetzung moderner Webseiten erwiesen.

Fehlerhafte Darstellungen, fehlende Unterstützung wichtiger Webstandards und zahlreiche Sonderlösungen hatten die Entwicklung erheblich erschwert.

Dass ein so alter Browser im Jahr 2008 noch immer in so großem Umfang genutzt wurde, hatte deutlich gemacht, wie langsam technische Erneuerung im Alltag oft verlief. Vor allem in Unternehmen und Institutionen waren alte Systeme häufig über lange Zeit bestehen geblieben.

Dadurch waren Anbieter von Websites gezwungen gewesen, veraltete Software weiterhin zu berücksichtigen.

Auch wenn der Anteil des Internet Explorer 6 bereits gesunken war, hatte es damals keinen Anlass gegeben, sein baldiges Verschwinden zu erwarten. Die Zahlen hatten vielmehr gezeigt, dass dieser Browser die Webentwicklung noch längere Zeit belasten würde.

Die Verbreitung aktueller Browserversionen hatte sich stark unterschieden

Ein genauerer Blick auf die jeweils neuesten Browserversionen hatte im Sommer 2008 deutliche Unterschiede gezeigt. Besonders schnell hatte sich Safari 3.1, das am 21. März 2008 erschienen war, durchgesetzt.

Bereits 81 Prozent der Safari-Nutzer hatten damals die aktuelle Version verwendet. Das war bemerkenswert gewesen, weil zwischen Veröffentlichung und Messzeitpunkt nur rund drei Monate gelegen hatten.

Auch Opera 9.5, veröffentlicht am 12. Juni 2008, hatte sich zügig verbreitet. Bereits 55 Prozent der Opera-Nutzer hatten diese neue Version eingesetzt. Das war ein starker Wert, zumal zwischen Veröffentlichung und Erhebung nur wenig Zeit vergangen war.

Beim Internet Explorer 7.0, der bereits im Oktober 2006 erschienen war, hatte sich erneut die Trägheit der Nutzerbasis gezeigt.

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Trotz einer Verfügbarkeit von fast zwei Jahren hatten nur 61 Prozent der Internet-Explorer-Anwender diese Version genutzt. Alte Versionen hatten sich hier also besonders hartnäckig gehalten.

Firefox 3.0, der am 17. Juni 2008 veröffentlicht worden war, war zum Zeitpunkt der Betrachtung bereits von 32 Prozent der Firefox-Nutzer eingesetzt worden.

Auch wenn dieser Wert noch hinter Safari zurückgelegen hatte, war er angesichts des sehr kurzen Zeitraums seit Veröffentlichung als starker Start gewertet worden.

Rückblick: Der Browsermarkt hatte sich bereits sichtbar modernisiert

Rückblickend zeigte sich, dass der Browsermarkt im Sommer 2008 in einer Übergangsphase gewesen war. Moderne Browser hatten an Bedeutung gewonnen, neue Versionen hatten sich teilweise erstaunlich schnell verbreitet, und der Internet Explorer hatte erste klare Verluste hinnehmen müssen.

Gleichzeitig war die Lage widersprüchlich geblieben. Denn obwohl neue Software verfügbar gewesen war und viele Nutzer bereits umgestiegen waren, hatten alte Versionen weiterhin erhebliche Marktanteile gehalten.

Besonders der Internet Explorer 6 hatte verdeutlicht, dass technischer Fortschritt im Web oft langsamer verlief, als Hersteller und Entwickler es sich gewünscht hätten.

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Auch Silverlight hatte in dieser Phase gezeigt, dass neue Technologien nicht automatisch erfolgreich wurden. Trotz Microsofts Unterstützung war die Plattform bis Juni 2008 nicht über eine geringe Verbreitung hinausgekommen und hatte den Abstand zu Flash nicht verringern können.

Insgesamt hatte sich damit schon 2008 abgezeichnet, dass sich der Browsermarkt langfristig stärker in Richtung moderner, leistungsfähiger und standardnäherer Programme entwickeln würde.

Der Übergang war jedoch keineswegs abrupt erfolgt, sondern hatte sich als langsamer und teilweise zäher Wandel dargestellt.

Samuel Becker