Internationale Verbreitung von OpenOffice: Ergebnisse einer länderübergreifenden Auswertung

Samuel Becker

Für die Erhebung wurde eine neue Methode eingesetzt. Analysiert wurden mehr als zweihunderttausend internationale Besucherinnen und Besucher mithilfe des ehemaligen Webstatistik-Dienstes FlashCounter.

Über eine Javascript-basierte Prüfung der auf dem jeweiligen System installierten Schriftarten ließ sich feststellen, welche Office-Suiten auf dem Computer vorhanden waren. Auf diese Weise konnte ermittelt werden, ob beispielsweise OpenOffice, Microsoft Office, Apple iWork oder WordPerfect installiert sind.

Die Auswertung zeigt klar, dass die Verbreitung von OpenOffice international sehr unterschiedlich ausfällt. In manchen Ländern ist der Anteil vergleichsweise hoch, während er in anderen Staaten deutlich niedriger liegt. Genau diese Unterschiede machen die Ergebnisse besonders interessant.

Marktanteile nach Ländern im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt den Anteil der untersuchten Besucher in 2010, bei denen die jeweilige Office-Suite auf dem Rechner installiert war:

Land OpenOffice MS Office Apple iWork WordPerfect
Polen 22 % 68 % 0,3 % 1,4 %
Tschechische Republik 22 % 76 % 0,1 % 1,3 %
Deutschland 21 % 72 % 1,4 % 2,7 %
Frankreich 19 % 76 % 2,9 % 0,5 %
Italien 18 % 81 % 1,5 % 0,9 %
Spanien 15 % 80 % 1,9 % 1,5 %
Norwegen 18 % 71 % 2,0 % 0,5 %
Dänemark 14 % 79 % 2,5 % 1,1 %
Belgien 14 % 85 % 1,9 % 1,1 %
Schweden 13 % 68 % 1,8 % 0,2 %
Österreich 12 % 85 % 1,8 % 2,2 %
Luxemburg 12 % 81 % 3,7 % 0,7 %
Schweiz 11 % 85 % 3,4 % 1,2 %
Kanada 11 % 79 % 3,4 % 4,0 %
Ungarn 11 % 77 % 0,7 % 1,4 %
Australien 10 % 78 % 3,6 % 0,9 %
Vereinigte Staaten 9 % 75 % 3,3 % 3,7 %
Vereinigtes Königreich 9 % 80 % 2,6 % 0,7 %
Niederlande 8 % 88 % 1,7 % 0,9 %
Brasilien 8 % 85 % 0,7 % 2,0 %
Rumänien 8 % 67 % 0,3 % 0,5 %
Ukraine 7 % 80 % 0,4 % 1,5 %
Bulgarien 7 % 77 % 0,2 % 2,2 %
Russische Föderation 6 % 76 % 0,2 % 1,3 %
Türkei 5 % 82 % 0,1 % 0,8 %
Indien 5 % 88 % 0,3 % 4,1 %
China 0,2 % 68 % 0,1 % 0,2 %
Lesen:  Thunderbird 3.1 Beta 1: Ein wichtiger Schritt für den beliebten E-Mail-Client

Ergänzend ist festzuhalten, dass SoftMaker Office und KOffice in Version 1.6 in allen betrachteten Ländern auf Marktanteile von unter 0,3 % kommen. Beim ausgewiesenen OpenOffice-Anteil sind außerdem StarOffice, IBM Lotus Symphony und weitere kleinere Ableger von OpenOffice bereits mit einberechnet.

Auffällige Ergebnisse der Untersuchung

Besonders bemerkenswert ist, dass ungefähr die Hälfte der OpenOffice-Nutzer zusätzlich auch Microsoft Office installiert hat. Dafür gibt es mehrere plausible Erklärungen. Ein Grund könnte sein, dass auf neueren Windows-Rechnern häufig Testversionen von Office 2007 bereits vorinstalliert waren, deren Laufzeit später ablief. Ebenso ist denkbar, dass viele Anwender nur eines der Programme ausprobieren oder sich gerade in einer Übergangsphase von einer Office-Lösung zur anderen befinden.

Die Zahlen machen außerdem deutlich, dass OpenOffice nicht überall denselben Stellenwert hat. Länder wie Polen, Tschechien und Deutschland weisen mit 21 bis 22 % besonders hohe Werte auf. Dagegen liegt der Anteil in Staaten wie der Türkei und Indien nur bei 5 %, während China mit 0,2 % einen äußerst geringen Wert erreicht.

Microsoft Office ist dagegen in fast allen Ländern die am weitesten verbreitete Lösung, wenn auch mit unterschiedlich starken Anteilen. Apple iWork spielt insgesamt eine deutlich kleinere Rolle, erreicht aber in einigen Ländern wie Luxemburg, Australien, Kanada, der Schweiz und den USA vergleichsweise höhere Werte. Apple iWork kam nun auch wieder mit neuen Features raus.

WordPerfect fällt besonders in Kanada mit 4,0 % auf und liegt auch in Indien sowie den Vereinigten Staaten spürbar höher als in vielen europäischen Ländern.

Internationale Verbreitung Auswertung

Warum die Ergebnisse als realistisch eingeschätzt werden

Wir vertreten die Auffassung, dass die Zahlen trotz gewisser Unsicherheiten ein realistisches Bild zeichnen. Dafür sprechen mehrere Zusammenhänge.

Lesen:  XAMPP einfach erklärt: Funktionen, Einsatzbereiche und Installation

1. Öffentliche Verwaltung und Bildung als Einflussfaktor

Viele der Länder mit hohen OpenOffice-Anteilen haben in ihrer öffentlichen Verwaltung, im Bildungswesen oder auf kommunaler Ebene bereits auf OpenOffice oder auf das ODF-Dateiformat gesetzt.

Dazu zählen etwa Dänemark, Deutschland und Spanien. Solche politischen oder institutionellen Entscheidungen können erheblich dazu beitragen, die Verbreitung freier Office-Lösungen zu stärken.

2. Verbindung zu alternativen Browsern

Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus dem Nutzungsverhalten bei Webbrowsern. In vielen Ländern mit hohem OpenOffice-Anteil ist auch die Verbreitung alternativer Browser wie Firefox besonders ausgeprägt.

Polen und Deutschland sind dafür gute Beispiele: Beide Länder kommen auf rund 50 % Firefox-Nutzer. Das deutet darauf hin, dass in diesen Märkten eine generell höhere Offenheit gegenüber Alternativen zu etablierten Standardprogrammen besteht.

3. Nationale Herkunft und Softwaretradition

Auch die Herkunft einer Software kann eine Rolle spielen. Die vergleichsweise starke Nutzung von OpenOffice in Deutschland könnte damit zusammenhängen, dass dessen Wurzeln bei StarOffice liegen, das in Deutschland entwickelt wurde.

Ein ähnlicher Zusammenhang zeigt sich bei WordPerfect: Kanada weist mit 4 % den höchsten Wert auf, was gut dazu passt, dass das Programm von dem kanadischen Softwareunternehmen Corel entwickelt wurde.

Unsicherheiten und Fehlermargen

Trotz der aufschlussreichen Ergebnisse ist zu beachten, dass die Untersuchung mit Fehlermargen verbunden ist. Bei OpenOffice kann die Abweichung bis zu ±5 % betragen, bei Microsoft Office sogar bis zu ±15 %. Dennoch lassen sich die Werte untereinander vergleichen und geben die Größenordnung der OpenOffice-Verbreitung in verschiedenen Ländern zuverlässig wieder.

Im Vergleich zur ursprünglichen Deutschland-Studie sind die internationalen Resultate etwas fehleranfälliger. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass die Stichprobe der internationalen Besucher in FlashCounter kleiner ist, da der Dienst überwiegend auf deutschen Websites genutzt wird. In den angegebenen Fehlermargen sind jedoch bereits verschiedene Unsicherheitsquellen berücksichtigt.

Lesen:  Mozilla SeaMonkey 2.0 ist fertig

Dazu zählen Erkennungsfehler, deaktiviertes oder blockiertes Javascript mit einem Anteil von unter 2 %, falsch-positive Treffer durch manuell installierte Schriftarten sowie systematische Fehler.

Fazit

Die Untersuchung zeigt, dass OpenOffice international sehr unterschiedlich verbreitet ist, sich aber in mehreren Ländern fest etabliert hat. Besonders in Teilen Europas erreicht die Software bemerkenswerte Marktanteile. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Microsoft Office in den meisten Ländern weiterhin dominiert.

Tipp: Lesen Sie auch gerne auf unserer Startseite weitere spannende Artikel.

Die Daten legen nahe, dass politische Entscheidungen, allgemeine Technikoffenheit und auch die Herkunft einer Software einen messbaren Einfluss auf ihre Verbreitung haben. Trotz bestehender Fehlermargen liefern die Ergebnisse daher ein aussagekräftiges Bild über die Größenordnung der OpenOffice-Nutzung in verschiedenen Ländern der Welt.

Samuel Becker